Der Versuch der ungarischen Opposition, mit einer überparteilichen Kandidatin für das Präsidentenamt zu punkten, ist vorerst gescheitert: Schachgroßmeisterin Judit Polgár hat ein entsprechendes Angebot von Oppositionsführer Péter Magyar abgelehnt. Magyar hatte die 49-jährige Schachikone nach Angaben aus seinem Umfeld als mögliche gemeinsame Kandidatin für das Amt des Staatspräsidenten ins Spiel gebracht.
Mit der Absage fällt für Magyar ein politisch heikler Vorstoß weg. Der Vorsitzende der Tisza-Partei versucht seit Monaten, sich als ernsthafte Alternative zur Regierung von Viktor Orbán zu positionieren. Eine überparteiliche Persönlichkeit an der Staatsspitze hätte diesem Kurs zusätzlichen Rückhalt geben können, weil das Amt des Staatspräsidenten in Ungarn zwar vor allem repräsentative Aufgaben hat, politisch aber stark symbolisch aufgeladen ist.
Polgár gilt in Ungarn seit Jahrzehnten als nationale Ausnahmepersönlichkeit. Sie war die einzige Frau unter den ganz Großen des internationalen Schachs und erreichte als Zehnjährige bereits ein Rekordniveau, das sie weltweit bekannt machte. Politische Ämter hat sie bisher nicht angestrebt. Ihre Absage dürfte daher auch als Hinweis verstanden werden, dass Magyar seine Suche nach einer gemeinsamen Kandidatur neu ausrichten muss.
Wer letztlich als Gegenentwurf zum Amtsinhaber oder als überparteiliche Lösung präsentiert werden könnte, bleibt damit offen. Für die Opposition ist das nicht nur eine Personalfrage, sondern auch ein Test, ob sie für das höchste Staatsamt eine Figur findet, die über Parteigrenzen hinaus Akzeptanz besitzt. In Ungarn wird der Präsident vom Parlament gewählt, das letzte Wort liegt also bei den politischen Mehrheitsverhältnissen in der Nationalversammlung.
Magyars Anlauf zeigt zugleich, wie stark der politische Wettbewerb in Ungarn inzwischen auch über Symbolfiguren geführt wird. Die Suche nach einer prominenten, parteiunabhängigen Person sollte offenbar signalisiert werden, dass die Opposition einen breiteren Zugang zur Macht sucht. Nach der Absage Polgárs ist dieser Plan vorerst ins Stocken geraten.









