In Österreich werden derzeit 247 von 2.092 Gemeinden von Frauen geführt – so viele Bürgermeisterinnen gab es noch nie. Dennoch liegt der Frauenanteil an der Spitze der Kommunen weiter nur bei rund zwölf Prozent. Vor diesem Hintergrund hat die ÖVP-Bürgermeisterin von Rankweil, Katharina Wöss-Krall, für mehr Sichtbarkeit und mehr weibliches Selbstbewusstsein in der Gemeindepolitik geworben.
Wöss-Krall sieht Fortschritte, hält den Weg nach oben aber noch längst nicht für abgeschlossen. Frauen seien „ein bisschen zurückhaltender“, sagte sie in der ZiB2. Viele fühlten sich eher in der zweiten Reihe wohl oder bekämen gar nicht erst die Chance, ganz vorne anzutreten. Es brauche daher mehr Frauen, die politische Verantwortung übernehmen wollten – und mehr Gemeinden, die ihnen diese Rolle auch zutrauten.
Die Bürgermeisterin stellte dabei vor allem Vorbilder in den Mittelpunkt. Nur wenn Frauen in Spitzenfunktionen sichtbar machten, dass kommunale Führung auch von Frauen „sehr gut machbar“ sei, könne sich das Bild langsam ändern, sagte sie. Programme wie „Girls in Politics“ könnten helfen, junge Frauen schon früh für politische Arbeit zu interessieren und ihnen den Einstieg zu erleichtern.
Erfahrung aus Rankweil
Wöss-Krall ist seit 2019 Bürgermeisterin von Rankweil in Vorarlberg. Zuvor war sie neun Jahre lang Vizebürgermeisterin. Der Wechsel an die Spitze der Gemeinde fiel auch in eine persönlich intensive Phase: Ihre jüngste Tochter war damals gerade ein Jahr alt. Für Frauen könne der Schritt in politische Führungsverantwortung deshalb mit zusätzlichen Hürden verbunden sein, machte sie deutlich.
Unterschiede sieht Wöss-Krall auch in der politischen Arbeitsweise. Frauen legten politische Arbeit teilweise anders an, sagte sie, seien „vielleicht ein bisschen konfliktscheu“ und bemühten sich stärker um gemeinsame Lösungen. In Rankweil führe das häufig zu einstimmigen Beschlüssen im Gemeinderat. Für die Frage, ob Österreich mehr Bürgermeisterinnen brauche, gibt die Vorarlbergerin damit eine klare Antwort: Ja – und zwar nicht nur aus Gründen der Gleichstellung, sondern auch, weil weibliche Vorbilder weitere Frauen in die Politik ziehen könnten.









