Die Beratungsstelle „Lebensqualität Bauernhof“ in Tirol ist im Vorjahr mehr als 500-mal kontaktiert worden. Hinter dem seit 20 Jahren bestehenden Angebot stehen vor allem Konflikte in Familienbetrieben, Hofübernahmen und Partnerschaftsprobleme. Nach Angaben der Initiative nimmt auch die emotionale Belastung vieler Landwirte zu, weil der wirtschaftliche Druck auf bäuerliche Betriebe steigt.
Besonders häufig geht es um Generationenkonflikte. In der Landwirtschaft leben und arbeiten oft mehrere Generationen unter einem Dach, zugleich wachsen die Anforderungen an die Höfe. Laut Evelyn Darmann vom Ländlichen Fortbildungsinstitut betrifft das etwa Investitionen in Tierwohl, Direktvermarktung oder Umbauten am Hof. Solche Veränderungen könnten Spannungen zwischen Alt und Jung auslösen, wenn unterschiedliche Vorstellungen aufeinandertreffen.
Im vergangenen Jahr nahmen 140 Familien und Einzelpersonen in Tirol Unterstützung in Anspruch. Vorwiegend melden sich Frauen, doch auch Männer greifen zunehmend auf das Angebot zurück. Beraterin Angelika Wagner beschreibt Fälle, in denen Menschen nach Jahren mit großer innerer Last erstmals über ihre Situation sprechen und dabei auch emotional werden.
Gerade in ländlichen Regionen sei Therapie oft noch ein Tabuthema, heißt es aus dem Umfeld der Beratungsstelle. Für viele Betroffene sei das bäuerliche Sorgentelefon deshalb die erste oder einzige Anlaufstelle. Die Landwirtschaftskammer Tirol will die Beratung weiter ausbauen. Finanziert wird das Projekt von EU, Bund und Land Tirol.
Die Initiative „Lebensqualität Bauernhof“ unterstützt bäuerliche Familien seit zwei Jahrzehnten in schwierigen Lebenslagen. Das Angebot reicht von telefonischer Beratung bis zu persönlichen Gesprächen und richtet sich an Menschen, die in der Landwirtschaft mit familiären, wirtschaftlichen oder persönlichen Belastungen zu kämpfen haben.









