Bei Zagreb ist ein Massengrab mit mindestens 29 Männern entdeckt worden, deren Leichen nach Angaben der Ermittler mit Draht gefesselt waren. Die Funde wurden bei Ausgrabungen auf dem Gelände eines früheren Militär- und Gefangenenkomplexes im Ort Macelj nordwestlich der kroatischen Hauptstadt gemacht.
Nach Angaben des kroatischen Veteranenministeriums handelt es sich um Opfer aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Fundort liegt in einem Gebiet, das seit Jahren als einer der zentralen Orte für die Aufarbeitung von Verbrechen der unmittelbaren Nachkriegszeit in Kroatien gilt. Die nun geborgenen Überreste sollen wissenschaftlich untersucht und identifiziert werden.
Ort der Gewalt in der Nachkriegszeit
Macelj war bereits früher als Exekutions- und Begräbnisstätte für mehrere hundert Menschen bekannt geworden. Historiker gehen davon aus, dass dort im Frühjahr und Sommer 1945 Menschen verscharrt wurden, die von den kommunistischen Sicherheitsorganen nach Kriegsende festgenommen worden waren. Die aktuellen Funde passen in dieses Bild.
Die Tatsache, dass die Opfer mit Draht gefesselt waren, deutet nach Einschätzung der Forscher auf eine gezielte Hinrichtung hin. Die Behörden wollen die Arbeiten fortsetzen, um weitere Gräber in dem Areal zu erfassen. In Kroatien werden seit Jahren zahlreiche Massengräber aus der Nachkriegszeit systematisch dokumentiert.
Aufarbeitung eines langen Tabus
Der Fund ist auch politisch sensibel. Die Gewalt der Jahre 1945 und danach ist in Kroatien bis heute ein umkämpftes historisches Thema. Immer wieder werden an vermuteten Begräbnisstätten neue Leichenfunde gemacht, die die Debatte über Verantwortung, Repression und Erinnerung erneut anfachen.
Für die Ermittler steht nun die Bergung und Identifizierung der Opfer im Vordergrund. Wie viele weitere Tote in dem Areal liegen könnten, ist Gegenstand der laufenden Untersuchungen.









