Extrig.at

Die unabhängige Onlinezeitung für Österreich

Lehrkräfte zwischen Unterricht und Überforderung

Redaktionelle Szene zum Thema „Lehrkräfte zwischen Unterricht und Überforderung“

Viele Lehrerinnen und Lehrer in Österreich erleben ihren Beruf als dauerhaft belastend: hohe Arbeitsdichte, emotionale Anforderungen und wenig gesellschaftliche Wertschätzung setzen ihnen zu. Gleichzeitig hält sich das Bild von langen Ferien und kurzen Arbeitszeiten hartnäckig. Für viele Pädagoginnen und Pädagogen ist genau dieser Widerspruch Teil des Problems.

Eine Volksschullehrerin, deren Name geändert wurde, schildert, wie verletzend abfällige Bemerkungen über angeblich zu viel Freizeit sein können. Ein Satz einer Ärztin habe sie auch Wochen später noch beschäftigt: „Sie haben jetzt eh nichts zu tun“, sagte diese zu ihr im August, als die Lehrerin eigentlich schon mitten in den Vorbereitungen für das neue Schuljahr steckte. „Immer hörst du, dass du so viel Ferien hast und so wenige Stunden arbeiten musst. Das ist sehr belastend“, sagt sie.

Der Fall steht exemplarisch für einen Beruf, in dem die formalen Ferienzeiten von Außenstehenden oft mit Erholung gleichgesetzt werden, obwohl die Belastung nicht mit dem Stundenplan endet. Unterrichtsvorbereitung, Elterngespräche, Konferenzen, Förderplanung und administrative Aufgaben fallen nicht nur während der Unterrichtszeit an. Dazu kommt der permanente Druck, für Kinder und Jugendliche pädagogisch präsent zu sein und gleichzeitig organisatorische Vorgaben zu erfüllen.

Gerade in der Volksschule ist der Alltag häufig von hoher emotionaler Verantwortung geprägt. Lehrkräfte begleiten Kinder nicht nur fachlich, sondern auch sozial und entwicklungsbezogen. Wer dabei über längere Zeit unter Zeitdruck steht oder sich missverstanden fühlt, läuft eher Gefahr, psychisch auszubrennen. Das gilt umso mehr, wenn berufliche Belastung von außen kleingeredet wird.

Nach Einschätzung von Pädagoginnen und Pädagogen braucht es daher mehr konkrete Unterstützung im Berufsalltag. Gemeint sind etwa Entlastung bei administrativen Aufgaben, bessere Rahmenbedingungen für Gespräche mit Eltern und Schülern sowie Angebote zur psychischen Entlastung im Kollegium. Zwei Pädagoginnen wollen genau dort ansetzen und für Abhilfe sorgen.

Das Thema reicht über den Einzelfall hinaus. In einem Beruf, der für das Bildungssystem zentral ist, entscheidet nicht nur die Bezahlung über die Attraktivität, sondern auch, wie der Alltag organisiert ist und wie ernst Belastungen genommen werden. Wer Lehrkräfte dauerhaft mit dem Hinweis auf Ferien abtut, verfehlt die Realität vieler Menschen im Klassenzimmer.

Diesen Artikel teilen