Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew hat sich mit einem ungewöhnlich offenen Appell an Kremlchef Wladimir Putin gewandt und zu einem Stopp des Krieges aufgerufen. Der kasachische Staatschef sprach sich dafür aus, die Kämpfe in der Ukraine „einzufrieren“ und damit den militärischen Konflikt vorerst zu beenden.
Tokajew gilt als enger politischer Partner Russlands, verfolgt seit dem russischen Angriff auf die Ukraine aber einen vorsichtigen Kurs zwischen Loyalität gegenüber Moskau und eigener außenpolitischer Absicherung. Kasachstan hat sich weder den westlichen Sanktionen gegen Russland angeschlossen noch den Angriffskrieg offen unterstützt. Zugleich achtet die Regierung in Astana darauf, eine zu starke Abhängigkeit vom großen Nachbarn zu vermeiden.
Der Appell ist deshalb bemerkenswert, weil er aus dem Umfeld eines Landes kommt, das wirtschaftlich, sicherheitspolitisch und historisch eng mit Russland verflochten ist. Kasachstan teilt mit Russland eine mehr als 7.000 Kilometer lange Grenze und ist Mitglied mehrerer von Moskau geprägter regionaler Bündnisse. Tokajew hatte schon in der Vergangenheit deutlich gemacht, dass er territoriale Veränderungen durch Krieg ablehnt und auf diplomatische Lösungen setzt.
Seit Beginn des Kriegs hat Astana mehrfach versucht, sich als pragmatischer Akteur zu positionieren. Das Land pflegt zwar enge Beziehungen zum Kreml, öffnet sich aber zugleich stärker Richtung China, Türkei und Westen. Vor diesem Hintergrund wird Tokajews Vorstoß auch als Signal gewertet, dass selbst enge Partner Moskaus zunehmend auf eine Deeskalation drängen.
Für Putin kommt der öffentliche Appell aus Kasachstan zu einem heiklen Zeitpunkt. Der Kreml versucht seit Monaten, internationale Unterstützung für seine Kriegsziele aufrechtzuerhalten und den Eindruck von Geschlossenheit im postsowjetischen Raum zu wahren. Wenn nun ausgerechnet ein Verbündeter auf ein Einfrieren der Kämpfe pocht, zeigt das die wachsende Ungeduld auch unter jenen Staaten, die Russland bisher nicht offen die Gefolgschaft aufgekündigt haben.









