Österreichische Gemeinden sind bei ihrer digitalen Infrastruktur in vielen Fällen von US-Konzernen abhängig. Das zeigt eine neue Analyse der Linzer IT:U, die erstmals die Betreiber kommunaler Digitaldienste in 30 europäischen Ländern vergleichbar macht. Besonders deutlich wird die Abhängigkeit bei E-Mail-Diensten und bei Webseiten, die auf Servern großer internationaler Anbieter laufen.
Die Forschenden rund um Florian Holzbauer haben dafür eine interaktive Karte mit dem Namen „Municipalytics“ erstellt. Erfasst sind rund 95.500 Kommunen in Europa. Für Österreich ordnen die Daten das Bild als mittlere, bei einzelnen Bereichen aber deutlich erhöhte Abhängigkeit ein. Holzbauer sagte, überraschend sei vor allem der große Unterschied zwischen den Ländern gewesen.
E-Mail und Hosting als Schwachstellen
Im Zentrum der Analyse stehen vor allem Grunddienste der kommunalen Verwaltung: E-Mail, Webhosting und weitere digitale Anwendungen. Gerade bei E-Mail-Diensten zeigt sich laut den Daten eine verstärkte Nutzung großer externer Anbieter, darunter vor allem Konzerne aus den USA. Die Karte macht damit sichtbar, wie stark alltägliche Verwaltungsaufgaben über Infrastruktur laufen, die außerhalb Europas betrieben wird.
Das ist politisch brisant, weil die Debatte über digitale Souveränität in Europa seit Jahren an Fahrt gewinnt. Kritiker warnen davor, dass Verwaltungen, Schulen und Gemeinden in zentrale Dienste eingebunden sind, ohne selbst über die technischen Grundlagen zu verfügen. Dazu kommen Fragen der Datensicherheit, der Abhängigkeit von einzelnen Unternehmen und der Kontrolle über digitale Schlüsselressourcen.
Europäische Debatte über digitale Souveränität
Die Diskussion über eine zu große Abhängigkeit von US-Konzernen betrifft längst nicht mehr nur die Privatwirtschaft. In vielen Gemeinden werden Standarddienste wie Mail, Kalender, Cloudspeicher oder Website-Hosting von wenigen globalen Anbietern bereitgestellt. Die IT:U-Studie liefert nun eine empirische Grundlage für diese Debatte und zeigt, dass die Unterschiede zwischen den Ländern erheblich sind.
Für Österreich ergibt sich daraus ein zwiespältiges Bild: Einerseits liegt das Land im europäischen Vergleich nicht an der Spitze der Abhängigkeit, andererseits ist die Auslagerung zentraler digitaler Funktionen an ausländische Konzerne in vielen Kommunen Realität. Die Studie dürfte damit auch die Frage verschärfen, wie viel digitale Eigenständigkeit öffentliche Stellen künftig anstreben sollen.









