Forscher haben das bisher schlimmste Szenario für die künftigen CO2-Emissionen abgemildert. Das bedeutet aber nicht, dass sich die Klimakrise entspannt. Nach den nun angepassten Annahmen wird die Welt bis 2100 voraussichtlich weniger Treibhausgase ausstoßen als bislang in der Extremvariante unterstellt. Am grundlegenden Trend ändert das wenig: Die Erde heizt sich weiter auf.
Im Kern geht es um sogenannte Emissionsszenarien, also Rechenmodelle, mit denen Klimaforscher verschiedene mögliche Entwicklungen bis zum Ende des Jahrhunderts durchspielen. Das bisher extremste Modell setzte auf einen sehr stark steigenden Verbrauch fossiler Energien und entsprechend hohe CO2-Werte. Diese Annahme gilt nun als zu pessimistisch. Die Korrektur zeigt vor allem, dass sich die langfristigen Projektionen der Wissenschaft an neue Daten und politische Entwicklungen anpassen.
Für die Klimafolgen ist das aber nur eine teilweise Entlastung. Auch mit den abgeflachten Annahmen liegt die Welt weiterhin deutlich über dem Pfad, der nötig wäre, um die Erderwärmung auf die im Pariser Abkommen angestrebten 1,5 Grad zu begrenzen. Der Abstand zwischen den derzeitigen Zusagen der Staaten und den tatsächlich erforderlichen Emissionssenkungen bleibt groß.
Internationale Klimaberichte zeigen seit Jahren, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, um die Emissionen rasch genug zu senken. Zwar wächst der Anteil erneuerbarer Energien weltweit, zugleich bleibt der Energiehunger vieler Volkswirtschaften hoch. In mehreren großen Emissionsländern wird weiterhin massiv auf Öl, Gas und Kohle gesetzt. Genau deshalb ist die Abmilderung eines Extrem-Szenarios eher eine Präzisierung als ein Wendepunkt.
Auch die Physik des Klimas bleibt unverändert: Jede zusätzliche Menge CO2 erhöht die Wärme in der Atmosphäre. Selbst wenn die schlimmste Modellvariante nun weniger wahrscheinlich ist, drohen bei anhaltend hohen Emissionen weiter häufigere Hitzewellen, Dürren, Starkregen und steigende Meeresspiegel. Für Politik und Wirtschaft bedeutet das vor allem, dass der Handlungsdruck nicht sinkt.
Die Debatte über das „abgesagte“ Extrem-Szenario birgt daher auch ein Missverständnis. Eine Entwarnung wäre nur dann gerechtfertigt, wenn die weltweiten Emissionen tatsächlich schnell und dauerhaft sinken würden. Davon ist die internationale Gemeinschaft derzeit jedoch noch weit entfernt.









