In Wien ist der Kokainkonsum nach Angaben der Drogenkoordination im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Die Konzentration der Droge im Abwasser legte um rund ein Drittel zu, sagte der Wiener Drogenkoordinator Ewald Lochner am Donnerstag rund um den Weltdrogentag. Zugleich sei Kokain auf dem Markt nicht nur häufiger verfügbar, sondern auch reiner geworden.
Die Entwicklung reiht sich laut Lochner in ein Muster ein, das auch aus anderen mitteleuropäischen Städten bekannt ist. Das Programm „Beyond the Line“ des Vereins Dialog befasst sich nach seinen Worten ausschließlich mit dem Konsum von Kokain und den damit verbundenen Risiken. Vor allem der Konsum im Party- und Ausgehmilieu bleibe ein Thema.
Nach Schätzungen leben in Wien rund 15.500 Menschen mit einer Drogenabhängigkeit, die Zahl sei seit Jahren relativ stabil. Deutlich höher liegt die Zahl der Alkoholkranken, sie wird in Wien auf etwa 80.000 geschätzt. Lochner verwies zudem darauf, dass sich die gesellschaftliche Wahrnehmung von Sucht zwar gewandelt habe, sichtbare Abhängigkeit im öffentlichen Raum aber häufig weiterhin Ablehnung auslöse.
Neben Kokain spielt in Wien auch der Konsum von Ecstasy weiterhin eine Rolle, vor allem beim Ausgehen. Insgesamt werden laut Lochner in der Stadt aber nach wie vor vor allem Alkohol und Nikotin konsumiert. Cannabis bleibt ebenfalls verbreitet. Die Angaben beruhen unter anderem auf Abwasseranalysen und Einschätzungen der Drogenkoordination.
Als zentrale Aufgabe sieht die Stadt weiter, möglichst viele Betroffene in Behandlung zu bringen. Dazu zähle auch eine bessere Substitutionstherapie. Bei der Entlastung des öffentlichen Raums arbeite man mit anderen Stellen zusammen, vor allem mit der Polizei. Zugleich solle der Austausch mit Expertinnen und Experten fortgesetzt werden.
Psychologen fordern frühe Hilfe und Prävention
Der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen wies anlässlich des Weltdrogentags auf die Bedeutung von Prävention und Behandlung hin. Besonders Jugendliche seien gefährdet, hieß es. Frühzeitige Unterstützung bei psychischen Belastungen sei entscheidend, um Suchterkrankungen und ihre gesundheitlichen wie sozialen Folgen zu verhindern.
Der Verband spricht sich für leicht zugängliche und wirksame Angebote aus, damit Betroffene rascher Hilfe erhalten und die Versorgung verbessert wird. Der Weltdrogentag am 26. Juni soll das Bewusstsein für den Kampf gegen illegale Drogen stärken.









