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1996: Als das Internet noch ein Treffpunkt im Schweizerhaus war

Redaktionelle Szene zum Thema „1996: Als das Internet noch ein Treffpunkt im Schweizerhaus war“

1996 war das Internet in Österreich ein kleines, langsames und weitgehend ungeschütztes Experiment. Wer damals online ging, brauchte ein 56k-Modem, eine Telefonleitung und viel Geduld. Ein Foto konnte eine halbe Minute laden, ein Film dauerte über Nacht, und wer angerufen wurde, flog aus dem Netz.

In dieser frühen Phase war das World Wide Web hierzulande noch kaum mehr als eine Szene für Technikbegeisterte. Die Zahl der Nutzer war klein, nach Angaben aus der Zeit bestand die österreichische Community aus nur wenigen Dutzend Menschen. Auf den ersten heimischen Seiten dominierten einfache Inhalte und bewegte Elemente, von einem breiten digitalen Alltag konnte keine Rede sein. Internationale Konzerne wie Coca-Cola präsentierten sich mit statischen Einzelseiten, größere Online-Angebote für Handel oder Unterhaltung existierten praktisch noch nicht.

Dass das Netz damals so begrenzt war, lag nicht nur an der Technik. Private Nutzer mussten über das Telefon-Festnetz online gehen und zahlten dafür Minutenpreise. Internet und Telefonieren waren nicht gleichzeitig möglich. Standleitungen, etwa in Unternehmen oder Universitäten, blieben die Ausnahme. Selbst grundlegende Sicherheitsvorkehrungen waren kaum verbreitet; ein computeraffiner Bekannter konnte mit vergleichsweise wenig Aufwand von außen auf einen Rechner zugreifen.

Auch rechtlich war das Internet 1996 erst am Anfang. Viele Formen von Missbrauch und Delikten waren damals noch nicht ausdrücklich geregelt. Die digitale Welt folgte ihren eigenen, oft chaotischen Regeln, und gerade das machte sie für die frühen Nutzer auch so attraktiv.

Aus heutiger Sicht wirkt diese Zeit wie eine ferne Vorstufe zur Gegenwart. Dienste wie Amazon, Google, Netflix oder soziale Netzwerke gab es noch nicht. Was heute als selbstverständliche Infrastruktur für Arbeit, Kommunikation, Handel und Unterhaltung gilt, begann hierzulande als überschaubare, fast persönliche Nische. Das Internet war damals kein Massenmedium, sondern ein Ort für wenige Eingeweihte – und für viele ein Versprechen auf eine ganz neue Art von Öffentlichkeit.

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