Ein Treffen von Ex-Kanzler Sebastian Kurz und FPÖ-Chef Herbert Kickl hat in Wien neue Spekulationen über die politische Zeit nach der Dreierkoalition ausgelöst. Nach den vorliegenden Informationen kamen die beiden am 3. Juni zusammen. Weder Kurz noch Kickl haben ein besonderes Interesse daran, den Termin offiziell zu bestätigen.
Brisant ist das Treffen vor allem wegen der politischen Konstellation. Kickl führt die derzeit stimmenstärkste Partei an, Kurz war als türkiser Frontmann der „neuen Volkspartei“ 2019 Wahlsieger und ist seit seinem Rückzug aus der Politik vor allem als Unternehmer tätig. Die ÖVP-FPÖ-Regierung von 2017 bis 2019 war von der Ibiza-Affäre und dem anschließenden Bruch der Koalition geprägt. Die Gespräche zwischen den beiden dürften vor diesem Hintergrund kaum nur der Vergangenheitsbewältigung gegolten haben.
2028 als möglicher Horizont
Im Umfeld des Treffens wird vor allem über das Jahr 2028 spekuliert. Dann könnte sich die politische Lage in Österreich neu sortieren, falls die derzeitige Dreierkoalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS politisch weiter an Zustimmung verliert oder ihre volle Legislatur nicht in Stabilität abschließt. In den Umfragen liegt die FPÖ derzeit laut den vorliegenden Angaben bei über 37 Prozent und damit klar an der Spitze.
Gerade dieser Wert sorgt für die besondere Sprengkraft des Treffens. Denn das Ergebnis liegt in einer Größenordnung, die an Kurz’ Nationalratswahlerfolg 2019 erinnert. Auch damals stand ein hoher Mobilisierungsgrad hinter dem Erfolg der ÖVP unter seinem Vorsitz. Für Kickl wiederum wäre eine solche Ausgangslage ein politisches Pfund für mögliche Machtoptionen nach der laufenden Legislatur.
Offiziell bleibt das Gespräch zwischen Kurz und Kickl aber unerklärt. Kurz hatte schon vor einiger Zeit betont, er habe mit Kickl „keine offene Rechnung“. Dass beide den Termin nicht groß an die Öffentlichkeit tragen wollen, zeigt jedoch, wie sensibel die Begegnung politisch gelesen wird. In Wien wird sie nun als mögliches Signal für die Phase nach der aktuellen Regierung gewertet.
Dass Kurz und Kickl einander nicht zufällig getroffen haben, gilt in politischen Kreisen als plausibel. Beide kennen die Mechanik von Wahlkämpfen, Machtverschiebungen und Koalitionsverhandlungen aus erster Hand. Genau deshalb richtet sich der Blick nach diesem Treffen weniger auf die Vergangenheit als auf jene politische Konstellation, die sich in den kommenden Jahren neu ergeben könnte.









