Der Vorstandschef der Wiener Börse, Christoph Boschan, drängt auf mehr kapitalgedeckte Vorsorge in Österreich und sieht das Potenzial des Kapitalmarkts weiter nicht ausgeschöpft. Nach den jüngsten Bewegungen in der zweiten Säule der Altersvorsorge müsse auch bei der dritten Säule etwas passieren, sagte Boschan.
Ausgangspunkt seiner Forderung ist ein Rekordjahr für die Wiener Börse. Der Konzern steigerte die Umsatzerlöse von 81,8 Millionen Euro auf 90,1 Millionen Euro, das Ergebnis vor Steuern legte von 50,1 Millionen Euro auf 53,4 Millionen Euro zu. Auch im Handel mit Aktien verzeichnete der Börsenbetreiber ein deutliches Plus: Die Aktienumsätze erhöhten sich von 74 Milliarden Euro auf 84 Milliarden Euro.
Boschan nutzt die guten Zahlen für eine grundsätzliche wirtschaftspolitische Botschaft. In Österreich sei der Kapitalmarkt als Finanzierungs- und Vorsorgeinstrument nach wie vor zu wenig genutzt. Eine breitere kapitalgedeckte Vorsorge könnte aus seiner Sicht dazu beitragen, die Altersvorsorge stärker abzusichern und die Abhängigkeit vom umlagefinanzierten System zu verringern.
Die Debatte ist in Österreich nicht neu. Immer wieder wird gefordert, die Veranlagung privater und betrieblicher Vorsorge stärker am Kapitalmarkt auszurichten. Vor allem bei langfristigen Vorsorgelösungen verweisen Befürworter darauf, dass ein breiterer Zugang zu Wertpapieren höhere Renditechancen eröffnen kann als klassische Sparformen. Kritiker wiederum warnen vor Schwankungen und Risiken, wenn Vorsorge stärker vom Börsengeschehen abhängt.
Für die Wiener Börse selbst fiel das vergangene Jahr finanziell positiv aus. Das Umsatzplus und der höhere Gewinn zeigen, dass das Geschäft auch in einem volatilen internationalen Umfeld zulegen konnte. Für Boschan ist das zugleich ein Argument, den heimischen Kapitalmarkt politisch stärker zu fördern und ihn nicht nur als Handelsplatz, sondern auch als Baustein der Vorsorge zu sehen.









