Die umstrittene Lueger-Statue am Wiener Stubenring ist am Dienstag nach künstlerischer Überarbeitung wieder aufgestellt worden. Bei der Präsentation des Denkmals kam es zu Protesten und Pfiffen jüdischer Hochschüler, die den Umgang mit dem Denkmal kritisierten. Die Statue des früheren Wiener Bürgermeisters Karl Lueger steht nun sichtbar geneigt auf ihrem Sockel.
Der Eingriff folgt einem Entwurf des Künstlers Klemens Wihlidal. Die Figur wurde um dreieinhalb Grad nach rechts gekippt, um die historische Belastung stärker zu markieren. Aus dem Denkmal sei damit ein Mahnmal geworden, sagte Wiens Kulturstadträtin bei der Präsentation. Der Bauzaun rund um den Ort sollte bis zum Wochenende entfernt werden.
Die Neugestaltung war bereits im Jänner vorbereitet worden. Damals wurde die Statue abgenommen, gereinigt und baulich adaptiert. Der sichtbare Eingriff blieb jedoch umstritten: Während die Stadt auf eine kritische Kontextualisierung setzt, kommt aus Teilen der Öffentlichkeit weiter der Vorwurf, das Denkmal werde nicht ausreichend gebrochen.
Karl Lueger war von 1897 bis 1910 Bürgermeister von Wien und gilt als prägende Figur der Stadtgeschichte. Zugleich ist sein Antisemitismus seit Jahren zentraler Bestandteil der Debatte um öffentliche Erinnerungskultur. Die erneute Präsentation der Statue zeigt, wie sehr Wien weiterhin um den Umgang mit belasteten Denkmälern ringt.
Auch mögliche neue Beschmierungen nimmt die Kulturstadträtin gelassen. Der Ort bleibt damit nicht nur ein Denkmal, sondern auch ein sichtbares Zeichen dafür, wie konfliktreich historische Erinnerung im öffentlichen Raum verhandelt wird.









