Extrig.at

Die unabhängige Onlinezeitung für Österreich

Neue Hinweise zur Nord-Stream-Sprengung: Welche Rolle Selenskyj spielte

Redaktionelle Szene zum Thema „Neue Hinweise zur Nord-Stream-Sprengung: Welche Rolle Selenskyj spielte“

Neue Ermittlungs- und Rechercheergebnisse verdichten den Verdacht, dass ukrainische Akteure hinter der Sprengung der Nord-Stream-Pipelines im September 2022 standen. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie weit Präsident Wolodymyr Selenskyj vorab informiert war und ob er von dem Plan wusste, als die Anschläge auf die Ostsee-Leitungen vorbereitet wurden.

Ausgangspunkt der Debatte sind Berichte über eine Gruppe von Profi-Tauchern und weiteren Beteiligten, die die Sprengung nach bisherigen Erkenntnissen mit einer Segeljacht aus vorbereitet haben sollen. Demnach sollen mehrere Männer die Tauchgänge und die Platzierung der Sprengsätze organisiert haben. Die Ermittlungen mehrerer europäischer Behörden hatten in den vergangenen Monaten bereits auf eine Verbindung in die Ukraine hingedeutet, ohne dass sich daraus bislang eine eindeutige staatliche Verantwortung ableiten ließ.

Ermittlungen und politische Brisanz

Politisch heikel ist vor allem die mögliche Nähe zur ukrainischen Führung. Sollte Selenskyj über den Plan informiert gewesen sein, würde das die bisherige Darstellung Kiews verändern, wonach die Ukraine mit dem Anschlag nicht in Verbindung stehe. Zugleich steht weiter im Raum, dass es sich um eine Aktion einzelner Personen oder eines kleineren Netzwerks gehandelt haben könnte, ohne formelle Entscheidung auf höchster staatlicher Ebene.

Die Nord-Stream-Leitungen waren in der Nacht auf den 26. September 2022 durch Explosionen schwer beschädigt worden. Nord Stream 1 hatte Russland einst als wichtigster Gaslieferant nach Deutschland gedient, Nord Stream 2 war nie in Betrieb gegangen. Die Anschläge verschärften die geopolitische Lage nach dem russischen Angriff auf die Ukraine zusätzlich und lösten in Europa Debatten über Energieabhängigkeit, Sabotage und Sicherheit kritischer Infrastruktur aus.

Was die neuen Recherchen bedeuten

Die jüngsten Veröffentlichungen erhöhen nun den Druck auf die politischen Verantwortlichen in Kiew wie auch auf jene Staaten, die die Tat nach wie vor strafrechtlich aufklären. Für die Ukraine ist der Fall besonders sensibel, weil jede bestätigte Mitwisserschaft die internationale Unterstützung belasten könnte. Für Deutschland und andere betroffene Staaten bleibt zugleich die Frage offen, wer den Anschlag geplant, finanziert und ausgeführt hat.

Belastbar ist derzeit vor allem eines: Die Ermittlungen zur Sprengung der Nord-Stream-Pipelines sind politisch wie juristisch keineswegs abgeschlossen. Mit jeder neuen Recherche über mögliche ukrainische Beteiligte wächst jedoch der Druck, die offenen Fragen zur Vorbereitung, zur Befehlskette und zu einer möglichen Mitwisserschaft auf höchster Ebene zu klären.

Diesen Artikel teilen