Seit der Einführung des elektronisch überwachten Hausarrests in Österreich vor 15 Jahren haben mehr als 11.000 Menschen eine Fußfessel getragen. Mit Stand 1. Mai befanden sich 381 Personen in diesem Vollzugsmodell, das Haftanstalten entlasten und gleichzeitig Kosten sparen soll.
Ein Betroffener schildert den Alltag als streng taktet: Der Tag war bis auf die Minute geplant, von Arbeit über die tägliche Besprechung mit der Sozialarbeit bis zu einer Stunde im Freien. Abweichen durfte er nicht. Der elektronische Hausarrest erlaubt zwar, Wohnung, Arbeitsplatz und soziale Kontakte zu behalten, er bedeutet aber auch eine engmaschige Kontrolle des gesamten Tagesablaufs.
Deutlich billiger als Haft
Aus Sicht der Justiz ist die Fußfessel ein Mittel, um die überfüllten Gefängnisse zu entlasten. Auch finanziell ist das Modell günstiger. Ein Tag im Gefängnis kostet pro Insasse rund 183 Euro, im elektronisch überwachten Hausarrest etwa 40 Euro, sagte der Leiter der Abteilung „Vollzug und Betreuung“, David Klingbacher.
Die Vorbereitung und Begleitung der Betroffenen übernimmt der Verein Neustart. Dessen Geschäftsführerin Dina Nachbaur verweist darauf, dass eine Haft oft nicht nur Freiheit, sondern auch Arbeit, Wohnung und soziale Bindungen unterbricht. Der elektronische Hausarrest könne das verhindern, wenn die Rahmenbedingungen stabil blieben.
„Gefängnismauer im Kopf“
Für viele Betroffene bleibt die Fußfessel dennoch eine schwere Belastung. Nachbaur beschreibt das Gefühl als vergleichbar mit einer „Gefängnismauer im Kopf“. Der Freiheitsentzug sei weiterhin da, nur eben ohne geschlossene Zellentür.
Seit 2010 wurde die Fußfessel nach den vorliegenden Zahlen insgesamt 11.119-mal eingesetzt. Der Frauenanteil lag dabei bei zehn bis 15 Prozent. Das Modell ist damit zu einem festen Bestandteil des österreichischen Strafvollzugs geworden – als Alternative zur Haft, die Freiräume erhält, aber klare Grenzen setzt.









