In Tschechien haben bei Temelín erste Probebohrungen für ein mögliches Atommüll-Endlager begonnen. Der Standort „Janoch“ liegt nach Angaben der Endlagerbehörde Surao rund 50 bis 60 Kilometer Luftlinie von der österreichischen Grenze entfernt. Untersucht wird, ob der Untergrund für ein dauerhaftes Lager für hochradioaktive Abfälle geeignet ist.
Die Bohrungen reichen bis in etwa 100 Meter Tiefe und sollen rund zwei Wochen dauern. Dabei wollen die Fachleute vor allem die Bodenbeschaffenheit und die Verteilung des Grundwassers untersuchen. Surao-Direktor Lukas Vondrovic sprach von einem „wichtigen Meilenstein“, weil damit erstmals direkte Einblicke in die geologischen Verhältnisse unter der Erdoberfläche möglich seien.
Temelín gehört zu vier Standorten, die in Tschechien noch in der engeren Auswahl für ein Endlager stehen. Neben dem Areal bei der südböhmischen Atomkraftwerksanlage werden auch Brezovy potok, Horka und Hradek geprüft. Auch dort sind Bohrungen geplant. Die endgültige Entscheidung über den Standort soll bis 2030 fallen.
Für die betroffenen Gemeinden sind jährlich rund vier Millionen Euro an Entschädigungen vorgesehen. Das Vorhaben ist Teil der tschechischen Energiepolitik, die weiterhin stark auf Kernkraft setzt. Im Vorjahr stammten mehr als 40 Prozent des Stroms aus Atomkraft.
Parallel dazu plant Tschechien den weiteren Ausbau der Atomenergie. Am Standort Dukovany sollen zwei neue Reaktorblöcke entstehen, deren Inbetriebnahme ab 2036 vorgesehen ist. Damit bleibt die Suche nach einem Endlager eine zentrale Frage für das Nachbarland – und wegen der Nähe zur Grenze auch für Österreich.









