Der kanadische Pianist Jan Lisiecki hat am Montagabend im Wiener Konzerthaus mit seinem Programm „World (of) Dance“ für einen intensiven Klavierabend gesorgt. Das Publikum erlebte eine Performance, die sich ganz um Tänze in unterschiedlichsten Formen drehte und am Ende sichtbar ankam: Lisiecki verließ die Bühne klatschnass.
Der 29-Jährige, einer der profiliertesten Pianisten seiner Generation, setzte damit im Konzertsaal auf ein thematisch geschlossenes Programm. Bereits vor zwei Jahren hatte er im Wiener Konzerthaus einen Abend mit Bezug auf das Vorspiel gestaltet; diesmal stand der Tanz im Zentrum. Die Auswahl reichte dabei offenbar von Stücken mit klarer rhythmischer Prägung bis zu Werken, die den Charakter des Tanzes eher andeuten als tatsächlich ausstellen.
Lisiecki, der seit Jahren auf den großen internationalen Bühnen präsent ist, gilt als Pianist mit hohem Anspruch an Klang und Struktur. In Wien verband er technische Kontrolle mit einer offensiven, körperlich fordernden Darbietung. Dass er die Bühne am Ende sichtlich erschöpft und verschwitzt verließ, unterstrich die Intensität des Abends ebenso wie die Energie seines Zugangs.
Der Konzertabend fügte sich in eine Programmidee, die klassische Musik nicht als museales Repertoire, sondern als Bewegung versteht. Gerade in einem Haus wie dem Wiener Konzerthaus, das regelmäßig thematisch kuratierte Abende präsentiert, ist das mehr als bloße Attitüde: Der Klavierabend wurde zu einer Demonstration, wie stark ein solches Konzept tragen kann, wenn ein Solist über die nötige Präsenz und Ausdauer verfügt.
Für das Publikum war es ein Abend, der nicht auf Zurückhaltung setzte, sondern auf Drive, Präzision und Sogwirkung. Lisiecki machte aus dem Tanzmotiv kein dekoratives Thema, sondern den Motor des gesamten Programms.









