Die Cellistin Sophie Abraham legt mit einem neuen Solo-Album ein ebenso eigenwilliges wie zugängliches Folgewerk vor. Gemeinsam mit dem Gitarristen und Multiinstrumentalisten Pippo Corvino sowie dem Saxofonisten Guido Spannocchi lotet sie dabei musikalische Grenzbereiche aus, ohne den melodischen Kern aus den Augen zu verlieren.
Abraham knüpft damit an ihr erstes Solo-Album „Brothers“ an, das bereits durch seine offene Anlage auffiel. Auch diesmal steht kein streng abgezirkeltes Genreprogramm im Vordergrund, sondern ein stiloffenes Arbeiten zwischen Jazz, kammermusikalischen Anklängen und improvisatorischer Freiheit. Gerade diese Beweglichkeit macht den Reiz des Projekts aus: Die Musik bleibt formbewusst, wirkt aber nicht eingehegt.
Pippo Corvino bringt in das gemeinsame Umfeld seine Vielseitigkeit ein. Seine Rolle ist dabei nicht die des bloßen Begleiters, sondern jene eines Musikers, der Themen aufgreift, weiterdreht und mit eingängigen Motiven versehen kann. Das Ergebnis sind Stücke, die leichtfüßiger wirken, als es ihre Konstruktion vermuten lässt. Ohrwürmer und komplexere Arrangements schließen einander hier nicht aus.
Auch Guido Spannocchi setzt auf eine klare, präzise Handschrift. Seine Beiträge geben den Stücken Kontur, ohne sie zu überladen. Die Arrangements wirken dadurch sorgfältig gebaut, behalten aber genug Luft für Bewegung und spontane Wendungen. Genau in dieser Balance liegt ein wesentlicher Teil der Qualität der Aufnahme.
Das Album fügt sich in eine Reihe aktueller Produktionen ein, die sich bewusst nicht auf ein einziges Genre festlegen. Statt stilistischer Reinheitsgebote geht es um Durchlässigkeit und um Musiker, die ihre Herkunft nicht verleugnen, aber auch keine Grenzen absichern wollen. Sophie Abraham zeigt mit diesem Werk erneut, dass Grenzgänge nicht sperrig sein müssen, wenn sie musikalisch sauber gearbeitet sind.









