In der deutschen Union wird offen über die Zukunft von Bundeskanzler Friedrich Merz spekuliert. In Berliner Parteikreisen fällt dabei immer häufiger der Name des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst. Ein Machtwechsel ist zwar nicht absehbar, der öffentliche Druck auf Merz nimmt aber zu.
Auslöser ist vor allem die wachsende Unzufriedenheit mit dem Regierungsstil des Kanzlers. Merz, der die Union mit dem Anspruch einer klareren, konservativeren Linie in die Regierung geführt hat, stößt in der eigenen Partei auf Kritik. Mehrere zentrale Vorhaben sind bislang nur schleppend vorangekommen, zugleich gilt sein Führungsstil als konfliktreich. Dass nun ausgerechnet in Unionskreisen selbst über eine Ablösung nachgedacht wird, ist für die Partei ungewöhnlich und politisch brisant.
Hendrik Wüst gilt in diesem Zusammenhang als Gegenfigur zu Merz. Der 50-Jährige regiert in Nordrhein-Westfalen mit den Grünen, pflegt ein betont pragmatisches Profil und hat sich auch in der Frage sozialer Ausgleichspolitik näher an die Tradition Angela Merkels als an den marktwirtschaftlich-konservativen Kurs von Merz herangetastet. Innerhalb der Union wird ihm deshalb zugetraut, unterschiedliche Parteiflügel eher zusammenzuhalten als der derzeitige Kanzler.
Öffentlich ist von einem geplanten Sturz des CDU-Chefs zwar keine Rede. Doch dass Parteistrategen und Mandatare den Namen Wüst überhaupt als mögliche Alternative diskutieren, zeigt die Nervosität in der Regierungspartei. Für Merz ist das gefährlich, weil solche Debatten Autorität kosten, auch wenn sie nicht unmittelbar in personelle Konsequenzen münden.
Seltene Debatte in einer Kanzlerpartei
Die offene Demontage eines eigenen Kanzlers ist in der Geschichte der Union ein Ausnahmefall. Kanzlerparteien schützen ihren Regierungschef üblicherweise, selbst wenn es intern rumort. Sobald jedoch ein glaubwürdiger Ersatzname kursiert, verschiebt sich die Machtfrage. Genau das passiert derzeit in der Union: Nicht ein Koalitionsbruch, sondern die Diskussion über eine Alternative aus den eigenen Reihen setzt Merz unter Druck.
Für die Partei ist das ein riskanter Moment. Merz steht ohnehin vor der Aufgabe, die Union nach innen geschlossen zu halten und nach außen regierungsfähig erscheinen zu lassen. Je länger der Eindruck anhält, dass in der eigenen Partei bereits über einen Nachfolger nachgedacht wird, desto stärker wird der Kanzler auch daran gemessen, ob er Vertrauen zurückgewinnen kann.









