Die Ukraine rechnet nach Einschätzung des britischen Magazins „The Economist“ mit zwei bis drei weiteren Jahren Krieg. Zugleich verdichten sich Hinweise auf wachsende Probleme in der russischen Armee: An der Front herrsche eine katastrophale Lage, technologisch komme Moskau gegen Kiew immer schwerer an.
Der Anlass für die neue Einschätzung ist kein Einzelfall, sondern das Zusammenspiel aus anhaltenden Verlusten, personeller Überlastung und einer Kriegsführung, die immer brutaler auf Personal setzt. Berichte über Zwangsrekrutierungen und den Einsatz auch schwer kriegsuntauglicher Männer haben die Debatte zuletzt verschärft. In den besetzten Gebieten und im russischen Mobilisierungssystem wird seit Längerem darüber berichtet, dass selbst Männer mit schweren gesundheitlichen Einschränkungen zum Dienst herangezogen werden.
Besonders alarmierend ist dabei die Lage an der russischen Front. Nach den vorliegenden Angaben sollen dort nicht nur Verwundete weiter eingesetzt werden, sondern teils sogar Soldaten, die nach einem Schlaganfall gelähmt sind. Das verweist auf einen massiven Personalmangel und auf den Versuch, die Front mit jedem verfügbaren Mann zu stabilisieren – unabhängig von dessen Zustand.
Militärisch bleibt der Krieg damit ein Abnützungskonflikt, in dem beide Seiten auf Durchhaltefähigkeit setzen. Für die Ukraine bedeutet das anhaltenden Druck auf Truppe, Wirtschaft und Gesellschaft. Für Russland steigen die Kosten eines Krieges, der sich trotz hoher Verluste und wachsender Erschöpfung nicht entscheidend zugunsten Moskaus verschiebt.
Die technische Entwicklung an der Front verstärkt diesen Trend. Drohnen, Aufklärungssysteme und digitale Kriegführung haben das Gefechtsfeld verändert und den Vorsprung moderner Ausrüstung weiter betont. Dass Russland hier mit der Ukraine nicht mehr Schritt halte, gilt als zusätzlicher Belastungsfaktor für den Kreml – und als Hinweis darauf, dass ein rasches Kriegsende weiter fernliegt.
Damit verfestigt sich ein Bild, das über die aktuelle Kampfeslage hinausreicht: Der Krieg droht sich über Jahre hinzuziehen, während die russische Führung zunehmend auf immer radikalere Mittel angewiesen ist, um die Front überhaupt noch zu halten.









