Der niederschlagsarme Winter und die Aussicht auf einen heißen Sommer lassen die Glaziologin Andrea Fischer erneut eine sehr starke Gletscherschmelze erwarten. Vor allem kleine Gletscher in Österreich könnten schon heuer weitgehend verschwinden, wenn sich die Bedingungen der vergangenen Wochen fortsetzen.
Fischer, die am Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Innsbruck tätig ist, sprach zuletzt von einem Winter mit rund 30 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel. Dieses Defizit lasse sich durch den späten Schneefall im Mai nicht mehr ausgleichen. Der Schnee habe zwar noch kurzfristig eine schützende Wirkung für das Eis, dieser Effekt werde bei den kommenden heißen Tagen aber rasch verpuffen.
Schon wenige Hitzetage können viel Eis kosten
Ist ein Gletscher erst schneefrei, nimmt das dunklere Eis mehr Sonnenenergie auf. Dann beschleunigt sich das Abschmelzen deutlich. Fischer verweist darauf, dass an einem einzigen heißen Sommertag bis zu zehn Zentimeter Eis an der Oberfläche verloren gehen können, wenn keine schützende Schneeschicht mehr vorhanden ist.
Die Ausgangslage für die bereits in den vergangenen Jahren stark geschrumpften Gletscher der Ostalpen sei daher schlecht. Hinzu komme, dass derzeit teils sehr hohe Meerestemperaturen gemessen werden, das arktische Meereis weit zurückgezogen ist und auch über ein mögliches El-Niño-Jahr spekuliert wird. All das erhöhe die Wahrscheinlichkeit eines extrem heißen Sommers, sagte Fischer.
Die Entwicklung trifft Österreichs Gletscher in einer Phase, in der viele Eiskörper ohnehin schon stark an Masse verloren haben. Besonders kleine Gletscher gelten als anfällig: Ihnen fehlt nach schneearmen Wintern oft die Pufferzone, die eine längere Schmelzperiode noch abfedern könnte. Wenn die angekündigte Hitze tatsächlich eintritt, könnte sich der Rückgang in diesem Sommer deutlich beschleunigen.
Für die Ostalpen wäre das nicht nur ein weiterer Rückschlag für die Gletscher selbst, sondern auch ein Hinweis darauf, wie eng ihr Zustand inzwischen an einzelne Wetterphasen gekoppelt ist. Ein schneearmer Winter und mehrere heiße Wochen reichen aus, um den Verlust in kurzer Zeit massiv zu verstärken.









