Die Progressive-Rock-Größen Yes und Soft Machine melden sich mit neuen Alben zurück, die weit mehr sind als bloße Nostalgie. Während Yes auf Aurora ihr 24. Studioalbum vorlegen, wird bei Soft Machine der lange Weg durch die Bandgeschichte mit einer Aufnahme aus dem Jahr 1969 sichtbar gemacht. Parallel dazu werden Werke von His Name Is Alive neu aufgelegt.
Bei Yes ist die wechselvolle Geschichte der Band längst Teil ihres Mythos. Aus der 1968 gegründeten Gruppe wurde über Jahrzehnte eine der prägenden Formationen des Prog-Rock, immer wieder umgebaut, immer wieder totgesagt. Auf Aurora steht von der klassischen Stammbesetzung nur noch Gitarrist Steve Howe auf der Bühne beziehungsweise im Studio. Der 79-Jährige führt die Band mit einer jungen, etwa fünfzigjährigen Besetzung weiter und setzt dabei erneut auf groß angelegte Kompositionen statt auf knappe Formate.
Besonders deutlich wird das im Stück Ariane, in dem sich der Ensembleklang mit dem des tschechischen Nationalorchesters verbindet. Das Ergebnis wirkt opulent, aber nicht museal. Sänger Jon Davison übernimmt den Part des hellen, klaren Frontmanns und knüpft damit hörbar an den klassischen Yes-Sound an, ohne Jon Anderson einfach zu kopieren. Gerade diese Mischung aus Wiedererkennung und Gegenwart macht das Album bemerkenswert.
Dass Yes damit kein bloßes Alterswerk im routinierten Sinn abliefern, sondern ein ernst zu nehmendes spätes Kapitel ihrer Diskografie, passt zur Geschichte der Band. Schon vor Jahrzehnten wurden sie von Punks wegen ihrer komplexen Strukturen verspottet. Heute klingt diese Opulenz nicht altmodisch, sondern selbstbewusst durchgearbeitet.
Auch Soft Machine stehen für eine Ära, in der im Großraum Canterbury aus Improvisation ein eigenständiger Stil wurde. Die Band, damals mit Robert Wyatt am Schlagzeug, war 1969 eine der prägenden Kräfte des britischen Jazzrock und des experimentellen Prog. Die nun präsentierte Veröffentlichung rückt genau diese Phase erneut ins Licht und erinnert daran, wie weit Soft Machine den Sound ihrer Zeit geöffnet haben.
Abseits der großen Namen werden zudem His Name Is Alive wiederveröffentlicht. Die Band gehörte in den 1990er-Jahren zu jenen Acts, die Gitarrenpop, Ambient und experimentelle Klangflächen auf eigenwillige Weise verbanden. Die Neuauflage ordnet sie in denselben größeren Zusammenhang ein: Alte Kataloge werden derzeit nicht nur archiviert, sondern neu entdeckt und für ein heutiges Publikum aufbereitet.
Die Verbindung dieser drei Veröffentlichungen zeigt, wie lebendig das Feld zwischen Prog-Rock, Spätwerk und Wiederveröffentlichung geblieben ist. Es geht nicht um bloße Rückschau, sondern um Künstler und Kataloge, die ihre Relevanz auch Jahrzehnte nach ihrem ersten Auftauchen behaupten.









