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Wie Infantino unter Druck geraten könnte

Redaktionelle Szene zum Thema „Wie Infantino unter Druck geraten könnte“

Der Schweizer Strafrechtsexperte Mark Pieth fordert die europäischen FIFA-Mitgliedsverbände zum Widerstand gegen Präsident Gianni Infantino auf. Der frühere Vorsitzende der FIFA-Kommission für Governance sieht in der UEFA die zentrale Kraft, um den 56-jährigen Verbandschef politisch zu isolieren oder im Extremfall aus dem Amt zu drängen.

Pieth verweist darauf, dass die FIFA als Verein organisiert sei und ihre Mitglieder grundsätzlich die Möglichkeit hätten, Präsidenten zu wählen oder abzuberufen. Praktisch fehle es aus seiner Sicht aber an wirksamer Kontrolle. Die Ethikkommission existiere nur formal, echte Unabhängigkeit gebe es innerhalb des Verbandes nicht, sagte Pieth. Infantino habe damit nach seiner Darstellung ein System perfektioniert, das schon unter Joseph Blatter auf Machtkonzentration und Geld ausgerichtet gewesen sei.

UEFA als Schlüsselgegner

Besonders die UEFA könne aus Pieths Sicht eine Gegenmacht bilden. Der europäische Dachverband habe genug Gewicht, um Infantino offen entgegenzutreten und damit auch andere Verbände zu einem klareren Kurs zu bewegen. Solange Europa jedoch geschlossen auftrete, sei der Druck auf den FIFA-Präsidenten begrenzt.

Infantino steht seit Jahren in der Kritik, vor allem in Europa. Ihm wird ein autoritärer Führungsstil vorgeworfen, der wenig Raum für unabhängige Kontrolle lässt. Pieth, der zwischen 2011 und 2013 eine unabhängige FIFA-Governance-Kommission leitete, sieht darin ein strukturelles Problem des Weltverbands: Die formalen Regeln seien vorhanden, die tatsächliche Kontrolle aber schwach.

Der FIFA-Präsident war zuletzt auch während der laufenden WM in Nordamerika wegen seiner Nähe zu US-Präsident Donald Trump kritisiert worden. Pieth sieht darin ein weiteres Beispiel dafür, wie sehr Infantino Machtpolitik über institutionelle Zurückhaltung stelle. Für einen Sturz des Präsidenten bräuchte es nach dieser Logik nicht nur Unmut, sondern organisierte Gegenwehr aus den Mitgliedsverbänden – vor allem aus Europa.

Dass es dazu bisher kaum komme, erklärt sich Pieth mit der Aura der Unantastbarkeit, die Infantino umgebe. Diese Position sei so gefestigt, dass kaum jemand den offenen Konflikt suche. Genau das, so seine Kritik, habe Infantino gegenüber seinen Vorgängern entscheidend vorangebracht.

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