Im Watzmann-Gebiet sind innerhalb von neun Tagen 27 Menschen geborgen worden. Besonders auf der Gipfelüberschreitung über Hocheck, Mitterspitz und Südspitze gerieten zuletzt immer wieder Bergsteiger und Wanderer in Not. Auch am Hochkalter und auf der Reiteralm waren die ehrenamtlichen Bergretter aus Ramsau am Königssee fast durchgehend im Einsatz.
Die Helfer sprechen von einer ungewöhnlich hohen Belastung. Mehrfach mussten sie nachts ausrücken, unterstützt von Notarzthubschraubern aus Bayern und auch aus Österreich. Laut den Einsatzkräften wird die lange Tour über den Watzmann häufig unterschätzt. Die Route verlange Erfahrung, Schwindelfreiheit, sehr gute Kondition und vor allem eine lückenlose Planung.
Gewitter, Erschöpfung und Fehlentscheidungen
Besonders problematisch waren in den vergangenen Tagen Wetterumschwünge mit Gewittern und Starkregen. So brauchte etwa eine vom Regen durchnässte Familie mit zwei Kindern Hilfe, weil sie im Abstieg von der Reiteralm auf nassem Boden an einer ausgesetzten Querung nicht mehr weiterkam. Acht Bergretter stiegen zu Fuß auf und sicherten die Gruppe.
In der Nacht auf Sonntag wurde ein völlig erschöpfter Oberfranke nach der Watzmann-Überschreitung gerettet. Seine Gruppe war zwar früh am Morgen gestartet, stieg aber erst am Nachmittag in die Gratüberschreitung ein. Beim Goldbründl unter der Südspitze setzten sie schließlich einen Notruf ab. Der Einsatz dauerte bis in die frühen Morgenstunden.
Auch andere Tourengeher mussten geborgen werden: Eine 25-jährige Wienerin wurde am Eingang der Wimbachklamm wegen einer internistischen Erkrankung versorgt, drei unterkühlte und dehydrierte Tschechen wurden nach einem Gewitter auf dem Watzmann gerettet. Auf der Reiteralm musste zudem ein erschöpfter Mann aus Nordrhein-Westfalen mit dem Hubschrauber ins Tal geflogen werden. Ein weiterer Deutscher aus Nordrhein-Westfalen kam nach einem Umknicken am Sprunggelenk ebenfalls ins Tal.
Bergretter warnen seit Jahren, dass viele Gäste die Länge und Schwierigkeit der Touren im Grenzgebiet zu Salzburg falsch einschätzen. Das betreffe nicht nur den Watzmann, sondern auch Hochkalter und Reiteralpe. Gerade bei wechselhaftem Wetter könne ein verspäteter Aufstieg rasch zu einem Notfall werden.









