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Vitamin-E-Studie aus Graz könnte neue Ansätze gegen chronische Entzündungen eröffnen

Redaktionelle Szene zum Thema „Vitamin-E-Studie aus Graz könnte neue Ansätze gegen chronische Entzündungen eröffnen“

Forschende der Universität Graz haben einen Wirkstoff aus der Vitamin-E-Gruppe identifiziert, der chronische Entzündungen nicht nur bremsen, sondern auch deren Auflösung fördern könnte. Das Team um den Lipidforscher Andreas Koeberle arbeitet damit an einem Ansatz, der über klassische entzündungshemmende Therapien hinausgeht.

Chronische Entzündungen gelten als Mitursache einer Reihe schwerer Erkrankungen, darunter Arteriosklerose, Herzinsuffizienz, Insulinresistenz und Neuropathien. Koeberle vom Institut für Pharmazeutische Wissenschaften sieht gerade darin das Problem bisheriger Behandlungen: Sie zielten meist darauf ab, das Fortschreiten einer Entzündung zu blockieren, nicht aber, sie vollständig abklingen zu lassen.

Doppelte Wirkung gesucht

Gemeinsam mit Forschenden aus Graz, Innsbruck, Anger, Jena und Neapel suchte das Team nach Stoffen, die beide Aufgaben erfüllen können: Entzündungen dämpfen und gleichzeitig die Heilung anstoßen. Fündig wurde es in der Gruppe der langkettigen Vitamin-E-Metabolite, kurz LCM. Nach Angaben der Universität Graz zeigt das identifizierte Molekül eine doppelte Wirkung auf entzündungssteuernde Botenstoffe.

In ersten Versuchen verringerte der Stoff die Zahl entzündlicher Immunzellen in einem Mausmodell, ohne wichtige Heilungsprozesse zu beeinträchtigen. Zudem regte er Makrophagen an, also jene Zellen des Immunsystems, die abgestorbene Zellen beseitigen und den Übergang von der Abwehr zur Reparatur unterstützen. Auch auf die Ferroptose, eine Form des Zelltods, die Entzündungsreaktionen verstärken kann, wirkte der Stoff schützend.

Bezug zu Bitterkola-Pflanze

Die untersuchten Tocotrienol-Metabolite können im menschlichen Körper selbst gebildet werden. Sie ähneln zudem einem Inhaltsstoff der Bitterkola-Pflanze, die in der traditionellen afrikanischen Medizin seit Langem bei entzündlichen Erkrankungen eingesetzt wird. Ob beide Verbindungen tatsächlich über denselben Wirkmechanismus verfügen, muss nach Angaben des Forschers noch bestätigt werden.

Die Erkenntnisse wurden in der Fachzeitschrift „Acta Pharmaceutica Sinica B“ veröffentlicht. Koeberle leitet seit 2024 die Sektion Pharmakognosie an der Universität Graz. Sein Schwerpunkt liegt auf Wirkmechanismen pflanzlicher Substanzen, vor allem im Zusammenhang mit Entzündungen, Fettstoffwechsel und Krebs.

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