Die 45-jährige Ukrainerin Iryna, alleinerziehende Mutter von vier bei ihr lebenden Kindern, steht in Wien trotz eines Vollzeitjobs mit 30 Arbeitsstunden pro Woche erneut vor finanziellen Problemen. Bislang kamen ihr Nettoverdienst von rund 1300 Euro als Stubenmädchen in einem Hotel und die Familienbeihilfe von zuletzt 1075,40 Euro gemeinsam gerade aus, um die Familie zu versorgen. Nun fällt die Familienbeihilfe weg – mit gravierenden Folgen für Frauen wie Iryna, die als Ukrainevertriebene in Österreich in Grundversorgung leben.
Betroffen sind nach den aktuellen Regeln Ukrainevertriebene und andere subsidiär Schutzberechtigte in der Grundversorgung. Für sie wird die Familienbeihilfe nicht mehr ausbezahlt. Begründet wird das mit dem Ziel, sogenannte Doppelbezüge abzuschaffen. Für Alleinerziehende, die bereits mit niedrigen Einkommen kalkulieren, reißt das jedoch ein neues Loch in die Haushaltskassa.
Existenz am Rand der Belastbarkeit
Iryna schildert, dass ihre Kinder in Kindergarten und Schule gehen, der älteste Sohn eine Lehre macht und der Familienalltag zuletzt eingespielt war. Mit dem Verlust der Familienbeihilfe kippt diese Stabilität. Gerade in einem Haushalt mit fünf Personen, Miete, laufenden Kosten und Kinderbetreuung kann schon ein einziger Leistungsausfall darüber entscheiden, ob die Familie über den Monat kommt oder nicht.
Der Fall zeigt ein Grundproblem der aktuellen Regelung: Wer als Vertriebene oder Schutzberechtigte in Österreich arbeitet und zugleich auf staatliche Unterstützung angewiesen bleibt, kann durch die Streichung einer Leistung genau dort getroffen werden, wo der Abstand zum finanziellen Absturz am kleinsten ist. Vor allem Alleinerziehende sind davon besonders betroffen, weil sie Ausgaben nicht auf zwei Einkommen verteilen können.
Politische Linie mit sozialen Folgen
Die Abschaffung von Doppelbezügen ist Teil einer strengeren Linie im Umgang mit ukrainischen Vertriebenen und subsidiär Schutzberechtigten. In der Praxis bedeutet das aber, dass nicht nur eine staatliche Transferleistung sinkt, sondern oft das gesamte Budget einer Familie ins Wanken gerät. Für Betroffene wie Iryna geht es damit nicht um eine abstrakte sozialpolitische Debatte, sondern um die Frage, ob die Familie ihre Fixkosten weiter decken kann.
Österreich hat seit dem russischen Angriff auf die Ukraine hunderttausende Vertriebene aufgenommen, viele von ihnen Frauen mit Kindern. Dass gerade Erwerbstätigkeit allein nicht ausreicht, um den Wegfall einer Unterstützung aufzufangen, macht die aktuelle Entwicklung besonders brisant. Für Iryna bedeutet das: Trotz Job und sorgfältig organisierter Kinderbetreuung ist die finanzielle Absicherung wieder dahin.









