Die Stadt Salzburg will noch vor der Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl im März 2029 fünf weitere nach NS-belasteten Männern benannte Straßen umbenennen. Darauf hat sich die rot-rot-grüne Stadtkoalition nach längeren internen Beratungen verständigt. Ein entsprechender Beschluss soll kommende Woche im Kulturausschuss des Gemeinderats fallen.
Mit den geplanten Änderungen würden laut den vorliegenden Unterlagen bis Ende 2028 sechs der 13 Straßenehrungen zurückgenommen, die eine von der Stadt eingesetzte Historikerkommission als hochbelastet eingestuft hat. Alle sechs betroffenen Verkehrsflächen sollen dann Frauennamen tragen. Darunter sind den Plänen zufolge auch Namen von Opfern des NS-Terrors und einer Widerstandskämpferin.
Bereits fixiert ist die Umbenennung der Heinrich-Damisch-Straße in Helene-Thimig-Straße im Jahr 2025. Damisch war Musikjournalist, Mitbegründer der Salzburger Festspiele und trat 1933 in die NSDAP ein. Die neue Namensgeberin Helene Thimig war Schauspielerin, mit dem Festspiel-Mitbegründer Max Reinhardt verheiratet und kehrte nach dem Ende des NS-Regimes aus dem Exil nach Österreich zurück. Zeitweise übernahm sie die Regie des „Jedermann“.
Die Stadt folgt damit einer Debatte, die seit Jahren geführt wird. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Salzburg mit Ehrungen für Personen umgeht, die in unterschiedlichem Ausmaß mit dem Nationalsozialismus verbunden waren. Während bei den nun vorgesehenen fünf Umbenennungen die Konsequenzen gezogen werden, sollen andere Straßennamen vorerst bleiben.
Darunter sind nach den bisher bekannten Plänen auch die Ehrungen für Herbert von Karajan, Ferdinand Porsche und Karl Heinrich Waggerl. Sie gelten ebenfalls als schwer belastet, bleiben aber zunächst bestehen. Die Entscheidung zeigt, dass die Stadt bei der Aufarbeitung ihrer Straßenbenennungen gestaffelt vorgeht und nicht alle umstrittenen Namen gleichzeitig beseitigt.
Der Beschluss im Kulturausschuss gilt als nächster formeller Schritt. Sollte die Koalition im Gemeinderat die Linie halten, wäre Salzburg eine der österreichischen Städte, die ihre NS-belastete Erinnerungskultur im öffentlichen Raum weiter sichtbar verändern.








