Extrig.at

Die unabhängige Onlinezeitung für Österreich

Österreich vor Algerien: Rangnick setzt auf Sieg statt Rechenspiel

Redaktionelle Szene zum Thema „Österreich vor Algerien: Rangnick setzt auf Sieg statt Rechenspiel“

Österreich weiß vor dem letzten Gruppenspiel gegen Algerien, welches Resultat für das Weiterkommen nötig ist. Trotz der rechnerisch möglichen Szenarien wird Teamchef Ralf Rangnick aber nicht auf ein kontrolliertes Resultat setzen, sondern auf Sieg spielen lassen.

Die Ausgangslage ist klar: Mit einem Sieg oder einem Unentschieden würde Österreich als Gruppenzweiter vor Algerien in die K.-o.-Phase einziehen. Dann käme es aller Voraussicht nach im Sechzehntelfinale auf Spanien zu, einen der Turnierfavoriten. Bei einer knappen Niederlage könnte das ÖFB-Team hingegen als einer der acht besten Gruppendritten noch aufsteigen und nach Papierform ein leichteres Los erhalten.

Genau dieses Rechenspiel passt jedoch nicht zu Rangnicks Grundhaltung. Der Teamchef hat sein Team seit seinem Amtsantritt auf mutigen, aktiven Fußball eingeschworen. Gegen jeden Gegner wolle man gewinnen, lautet seine Linie. Ein taktisches Spielen auf ein bestimmtes Ergebnis wäre deshalb nicht nur sportlich riskant, sondern würde auch dem Selbstverständnis der Mannschaft widersprechen.

Hinzu kommt der internationale Blick auf ein solches Vorgehen. Wer bewusst auf ein Ergebnis spielt, lädt schnell den Vorwurf des Kalküls oder gar der Wettbewerbsverzerrung auf sich. Für ein Team, das sich auf WM-Bühne mit einer klaren Offensive und hoher Intensität präsentieren will, wäre das ein heikler Weg.

Für Österreich geht es damit in erster Linie um den eigenen Anspruch. Trifft das ÖFB-Team tatsächlich auf Spanien, wäre das zwar eine große Hürde, zugleich aber auch ein Spiel, in dem sich die Mannschaft ohne Druck messen könnte. Ein Ausscheiden gegen einen Titelfavoriten wäre erklärbar. Ein Weiterkommen gegen den Favoriten würde die größte Überraschung liefern.

Umgekehrt birgt auch der vermeintlich günstigere Weg Risiken. Selbst wenn als Dritter ein auf dem Papier leichterer Gegner warten würde, wäre das Weiterkommen nicht garantiert. Ein Ausscheiden in der ersten K.-o.-Runde würde die Vorrunde am Ende auf den Sieg gegen Jordanien reduzieren. Genau das will Rangnick vermeiden. Für ihn zählt deshalb nicht das Rechnen mit dem kleineren Übel, sondern der klare Anspruch, Spiele zu gewinnen.

Diesen Artikel teilen