Nach dem Bericht über einen mutmaßlichen Vergewaltiger in Innsbruck wächst die politische und gesellschaftliche Empörung. Der 44-jährige Tiroler sitzt in Untersuchungshaft. Er soll seine Partnerin mehrfach betäubt, vergewaltigt und Bilder davon ins Netz gestellt haben. Nun steht der Verdacht im Raum, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt.
SPÖ-Justizsprecherin Selma Yildirim sprach von der „Spitze des Eisbergs“ und forderte ein kompromissloses Vorgehen gegen Vergewaltigungsnetzwerke. Es sei Aufgabe der Politik, solche kriminellen Strukturen zu zerschlagen. Dafür brauche es in Österreich einen Schwerpunkt aller Ressorts im Rahmen des Nationalen Aktionsplans gegen Gewalt an Frauen, sagte Yildirim. Zudem sei verstärkte europäische und internationale Zusammenarbeit nötig.
Auch die grüne Frauensprecherin Meri Disoski warnte vor grenzüberschreitend organisierten Täterstrukturen. Man habe es nicht mit Einzelfällen zu tun, sondern mit Netzwerken, die sexualisierte Gewalt organisierten, dokumentierten und teilten. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen, sagte Disoski. Innen- und Justizministerium müssten nun entschlossen handeln.
Disoski kritisierte zudem, dass Österreich nach dem derzeit öffentlich bekannten Stand nicht an der von Europol koordinierten Operation MEDUSA beteiligt sei. Während andere Staaten gemeinsam gegen solche Täter-Netzwerke vorgingen, bleibe Österreich offenbar außen vor. Das sei sicherheitspolitisch nicht nachvollziehbar.
Die Frauenvernetzung Tirol rief für Montag in Innsbruck zu einer Kundgebung auf. Sie will auf ein System aufmerksam machen, das Betroffene nach Ansicht der Initiative zu oft allein lasse und Täter zu selten konsequent verfolge. Besonders alarmierend sei der Verdacht, dass sich der Beschuldigte in Online-Netzwerken bewegt haben soll, in denen sexualisierte Gewalt verherrlicht, dokumentiert und ausgetauscht wird.
Der Fall hat damit eine Debatte über das Ausmaß sexualisierter Gewalt im digitalen Raum ausgelöst. Im Zentrum steht nicht nur der Verdacht gegen einen einzelnen Beschuldigten, sondern die Frage, wie Behörden und Politik auf vernetzte Täterstrukturen reagieren.









