Der deutsch-israelische Extremismusexperte Ahmad Mansour sieht in einer Wiener Jugendstudie ein Warnsignal für die demokratische Integration junger Muslime. Wenn 41 Prozent der befragten muslimischen Jugendlichen angeben, religiöse Gebote stünden für sie über staatlichen Gesetzen, zeige das aus seiner Sicht eine Entwicklung, die Politik und Gesellschaft zu lange unterschätzt hätten.
Mansour, der seit 2004 in Berlin lebt und dort wegen islamistischer Drohungen unter Polizeischutz steht, spricht von einem Problem, das sich nicht auf einzelne Milieus beschränke. Die Studie des Sozialforschers Kenan Güngör zu den Einstellungen junger Zugewanderter in Wien lege offen, wie stark islamistische Propaganda, soziale Abgrenzung und Parallelstrukturen auf Teile der Jugendlichen wirkten.
Der Experte kritisiert dabei vor allem die Reaktion der demokratischen Kräfte. „Wir Demokraten haben diese Entwicklung komplett verschlafen“, sagt Mansour sinngemäß mit Blick auf die nun diskutierten Ergebnisse. Aus seiner Sicht reicht es nicht, nur auf Extremisten oder Sicherheitsbehörden zu setzen. Entscheidend sei, dass Schulen, Eltern und Politik frühzeitig gegen antidemokratische Haltungen arbeiten.
Die von Güngör erhobenen Zahlen werden in Österreich seit dem Bekanntwerden der Studie breit diskutiert, weil sie nicht nur eine Frage der Religiosität, sondern auch des Verhältnisses junger Menschen zu Recht, Staat und Gesellschaft berühren. Besonders heikel ist dabei die Aussage, religiöse Vorschriften hätten für viele Befragte Vorrang vor staatlichem Recht. Für die Integrationsdebatte in Wien und darüber hinaus ist das ein Befund mit politischer Sprengkraft.
Mansour verbindet die Entwicklung mit islamistischer Propaganda, die junge Menschen über soziale Medien und in geschlossenen Gruppierungen erreiche. Wer dort früh mit einfachen Feindbildern und dem Anspruch auf absolute religiöse Wahrheit konfrontiert werde, finde später schwerer zurück in einen demokratischen Konsens, sagt der Experte. Genau deshalb müsse Prävention früher ansetzen und konsequenter werden.
Die Studie liefert damit nicht nur Zahlen, sondern auch einen aktuellen Maßstab für die Debatte über Integration, Religionsfreiheit und die Grenzen gesellschaftlicher Toleranz. Für Mansour ist klar: Wer die wachsende Distanz einzelner Jugendlicher zur Demokratie ernst nimmt, muss die Frage beantworten, warum Warnzeichen so lange übersehen wurden.









