Jüngere Menschen in Österreich sehen einer Umfrage zufolge eine größere historische Verantwortung im Umgang mit Antisemitismus als Ältere. Zugleich haben im Vorjahr mehr als 1500 antisemitische Vorfälle stattgefunden, und rund die Hälfte der Befragten hatte den Eindruck, dass Antisemitismus im Land zugenommen hat.
Die Zahlen fügen sich in ein Bild, das sich seit Jahren verschärft hat. In Österreich wurde ab 2022 ein deutlicher Anstieg judenfeindlicher Vorfälle registriert, mit einem weiteren Sprung seit dem Beginn des Gaza-Kriegs im Oktober 2023. Die Bandbreite reicht von Beschimpfungen gegen Jüdinnen und Juden über Sachbeschädigungen an jüdischen Einrichtungen bis zu körperlichen Angriffen.
Die Einschätzung der Jüngeren passt zu einer breiteren Debatte über Erinnerungskultur und Verantwortung. Gerade nach den jüngsten Zuwächsen bei antisemitischen Vorfällen zeigt sich, dass nicht nur politische Maßnahmen gegen Hass und Gewalt gefragt sind, sondern auch eine stärkere Auseinandersetzung mit der Geschichte. Dass die jüngere Generation hier sensibler auf historische Verantwortung blickt, deutet auf einen Generationenunterschied im Umgang mit der NS-Vergangenheit und ihren Folgen hin.
Antisemitische Vorfälle werden in Österreich seit Jahren dokumentiert und von jüdischen Organisationen und Beobachtungsstellen als anhaltendes Problem beschrieben. Die aktuelle Umfrage legt nahe, dass die Wahrnehmung in der Bevölkerung mit der Lage vor Ort zusammenfällt: Viele Menschen registrieren die Zunahme, während die konkrete Betroffenheit jüdischer Gemeinden weiter hoch bleibt.
Gerade vor diesem Hintergrund ist die Frage nach historischer Verantwortung mehr als symbolisch. Sie betrifft den gesellschaftlichen Konsens, wie Österreich mit Antisemitismus umgeht – im Alltag, in der Bildung und in der politischen Debatte.









