Der geplante Scheiteltunnel am Fernpass wird nach Einschätzung des Tiroler Landesumweltanwalts den Verkehr auf der wichtigen Transitroute eher nicht bremsen, sondern zusätzlich anziehen. Vize-Landesumweltanwalt Walter Tschon sieht in den Befürchtungen der Anrainer daher eine plausible Entwicklung. Das Fernpasspaket soll die stark belastete Strecke zwischen Reutte und dem Inntal entlasten, die Diskussion dreht sich aber zunehmend um die Frage, ob ein Tunnel nicht mehr Verkehr nach sich zieht.
Der Fernpass zählt seit Jahren zu den am stärksten frequentierten Nord-Süd-Verbindungen in Tirol. Vor allem in Ferienzeiten staut sich der Ausweich- und Transitverkehr auf der Route über Nassereith, Biberwier und Lermoos regelmäßig. Mit dem geplanten Tunnelprojekt will das Land Tirol den Verkehrsfluss verbessern und die Belastung für die Gemeinden entlang der Strecke senken. Kritiker warnen jedoch, dass eine leistungsfähigere Trasse zusätzlichen Verkehr anziehen könnte, statt das Problem zu lösen.
Genau darauf zielt auch Tschons Warnung ab. Aus Sicht der Umweltanwaltschaft besteht die Gefahr, dass sich der Fernpass durch den Tunnel für Autofahrer und den Schwerverkehr attraktiver macht. Damit könnte der Verkehr auf der Route insgesamt zunehmen, obwohl das Projekt als Entlastung verkauft wird. Für die Anrainer entlang der Strecke wäre das Gegenteil des eigentlich angekündigten Effekts erreicht.
Die Debatte um den Fernpass ist damit einmal mehr ein Grundsatzstreit über den Umgang mit dem Transitverkehr in Tirol. Während Befürworter auf bessere Verkehrsführung und mehr Sicherheit verweisen, bleibt die Sorge, dass neue Infrastruktur zusätzlichen Verkehr erzeugt. Beim Fernpasspaket wird diese Frage besonders heikel, weil die Strecke schon jetzt in Spitzenzeiten an ihre Grenzen stößt.
Der geplante Scheiteltunnel ist daher nicht nur ein technisches Verkehrsprojekt, sondern auch eine politische und ökologische Weichenstellung für eine der sensibelsten Verkehrsachsen des Landes. Ob er die Belastung tatsächlich mindert oder den Druck auf die Region weiter erhöht, wird für die weitere Diskussion entscheidend sein.









