In Wien ist der Anteil der Autofahrten seit Jahren nahezu unverändert. Laut der jährlichen Erhebung des sogenannten Modal Split wurden 2012 noch 27 Prozent der Wege mit dem Auto zurückgelegt, im vergangenen Jahr waren es 26 Prozent. Das politische Ziel, den Pkw-Anteil bis 2025 auf 20 Prozent zu senken, wurde damit klar verfehlt.
Der Modal Split zeigt, mit welchen Verkehrsmitteln die Wienerinnen und Wiener ihre Wege zurücklegen. Während der öffentliche Verkehr seit Mitte der Nullerjahre an der Spitze liegt, kommt der Autoverkehr kaum von der Stelle. Verkehrswissenschaftler Paul Pfaffenbichler von der Universität für Bodenkultur verwies darauf, dass Wien über ein besonders dichtes öffentliches Verkehrsnetz verfüge und faktisch ein „24/7-Angebot“ habe.
Dass der Autoanteil trotzdem stagniert, hat aus seiner Sicht mehrere Gründe. Ein Teil der Bevölkerung am Stadtrand und im Umland sei weiterhin auf das Auto angewiesen, weil nicht alle Gebiete gleich gut erschlossen seien. Gleichzeitig gebe es aber auch eine „subjektive Abhängigkeit“ vom Pkw, obwohl Alternativen vorhanden wären. Als Beispiel nannte Pfaffenbichler die Bequemlichkeit, wenn das Auto direkt aus der Garage verfügbar ist und der Weg zur Haltestelle sowie die Wartezeit auf öffentliche Verkehrsmittel als umständlicher empfunden werden.
Der geringe Rückgang des Autoverkehrs ist auch aus klimapolitischer Sicht relevant. Der Verkehrssektor war 2023 laut Bundesländer-Luftschadstoffinventur für 38 Prozent aller Treibhausgasemissionen in Wien verantwortlich und damit der größte Treiber der menschengemachten Klimaerwärmung in der Stadt.
Der frühere Wiener SPÖ-Verkehrsstadtrat und Raumplaner Rudolf Schicker sieht die Stadt dennoch auf einem grundsätzlich anderen Weg als früher. Er betonte, dass das Radfahren seit den frühen 2000er-Jahren deutlich zugelegt habe: Der Radanteil sei von rund zwei Prozent auf etwa zehn Prozent gestiegen. Dazu beigetragen habe auch das Leihradsystem, das heute als WienMobil Rad betrieben wird.
Schicker verwies zugleich auf die begrenzten Platzverhältnisse in der Stadt. Aus seiner Sicht müsse Verkehr stärker gemischt und der öffentliche Raum anders genutzt werden. Als sinnvoll bezeichnete er Tempo-30-Zonen und Wohngebiete mit geringerer Belastung durch den Durchzugsverkehr. Beim Thema Pendlerverkehr sprach er außerdem von einer noch nicht überall gelösten „letzten Meile“ außerhalb der Stadtgrenzen.
Die Zahlen zeigen damit ein bekanntes Muster: Wien hat sein öffentliches Verkehrsangebot in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut, beim Autoanteil aber kaum Fortschritte erzielt. Die Stadt liegt damit weiterhin deutlich über dem Zielwert, den die Politik bis 2025 erreichen wollte.









