Die ersten Parteiführungen der FPÖ bestanden nach neuen Erkenntnissen aus NSDAP-Mitgliederkartei ausschließlich aus früheren Nationalsozialisten. Unter ihnen waren ein Ex-General der Wehrmacht und ein Mann, der den Parteinamen „Freiheitliche Partei Österreichs“ mitprägte. Die Recherche wirft damit neues Licht auf die frühen Jahre jener Partei, die heute in Österreich stärkste Kraft im Nationalrat ist.
Die FPÖ entstand 1956 als Nachfolgeprojekt des Verbands der Unabhängigen, in dem sich viele ehemalige Nationalsozialisten sammelten. Dass die personellen Kontinuitäten in der Frühphase noch enger waren als bisher angenommen, legt die Auswertung der NSDAP-Mitgliederkartei nahe. Demnach saßen in den ersten Parteigremien keine unbelasteten Neuanfänger, sondern durchgehend Männer mit NS-Vergangenheit.
Besonders brisant ist die Rolle eines ehemaligen Generals, der in den Anfangsjahren als zentrale Figur der Parteiführung galt. Auch ein aus Sachsen stammender Funktionär, der an der Namensfindung beteiligt gewesen sein soll, gehörte zu diesem Kreis. Die frühen Freiheitlichen waren damit nicht nur organisatorisch, sondern auch personell eng mit dem braunen Milieu der Nachkriegszeit verbunden.
Die Befunde sind auch deshalb politisch heikel, weil die FPÖ sich seit Jahren als normale bürgerliche Kraft inszeniert und zugleich immer wieder wegen des Umgangs mit ihrer Vergangenheit kritisiert wird. Bei der Nationalratswahl 2024 wurde sie erstmals stärkste Partei im Bund. Parteichef Herbert Kickl stellte die Freiheitlichen zuletzt bei einer Feier zum 70-jährigen Bestehen als „größtes Freiheits- und Demokratieprojekt“ dar.
Die neuen Erkenntnisse fügen sich in ein historisches Bild, das die FPÖ bis heute begleitet: Die Partei war in ihrer Anfangszeit stark von ehemaligen Nationalsozialisten geprägt, auch wenn sie sich später programmatisch und organisatorisch mehrfach wandelte. Gerade vor diesem Hintergrund bleibt die Frage nach der politischen Tradition der Freiheitlichen in Österreich ein wiederkehrender Streitpunkt.









