Seniorenbund-Chefin Ingrid Korosec (ÖVP) zeigt sich offen für eine Debatte über ein höheres gesetzliches Pensionsantrittsalter – zumindest für Menschen, die später ins Berufsleben starten. „Wenn wir immer älter werden, dann muss sich klarerweise auch etwas verändern“, sagte Korosec im Zusammenhang mit der Frage, ob Österreich länger arbeiten müsse.
Mit ihrer Position greift Korosec ein Thema auf, das in der Pensionspolitik regelmäßig für Konflikte sorgt. Das gesetzliche Antrittsalter liegt für Männer derzeit bei 65 Jahren. Bei Frauen wird es seit 2024 schrittweise an jenes der Männer angeglichen und soll bis 2033 ebenfalls bei 65 Jahren liegen. Eine weitere Anhebung hätte damit unmittelbare Folgen für den gesamten Arbeitsmarkt und für die Finanzierung des Pensionssystems.
Debatte über längeres Arbeiten läuft seit Jahren
Die Frage nach einem späteren Pensionsantritt ist in Österreich politisch besonders sensibel, weil das System schon jetzt stark unter demografischem Druck steht. Immer weniger Erwerbstätige finanzieren immer mehr Pensionen. Gleichzeitig verweisen Kritiker einer Anhebung darauf, dass viele Menschen in körperlich belastenden Berufen das derzeitige Alter kaum ohne Abschläge erreichen oder überhaupt bis dahin arbeiten können.
Korosec verknüpft ihre Offenheit für Änderungen mit der Lebenserwartung. Der Ansatz ist politisch brisant, weil der Seniorenbund traditionell als Interessenvertretung älterer Menschen auftritt und in der ÖVP einflussreich ist. Gerade deshalb gilt jede Lockerung in Richtung höheres Antrittsalter als Signal, dass auch innerhalb des bürgerlichen Lagers die bisherige Linie nicht unverrückbar ist.
Ob aus der grundsätzlichen Gesprächsbereitschaft konkrete Vorschläge werden, ist offen. Klar ist aber: Jede Debatte über ein höheres Pensionsantrittsalter berührt zentrale Fragen der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik – von der Beschäftigungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer über die Anrechenbarkeit von Ausbildungszeiten bis hin zur Belastung jener, die früh zu arbeiten begonnen haben.









