Im Streit um die Wiener Wirtschaftskammerwahl steht ÖVP-Wirtschaftsbund-Präsident Walter Ruck unter Manipulationsvorwürfen. Nach Recherchen wird ihm vorgehalten, durch eine umstrittene Zurechnung von Mandaten die absolute Mehrheit des Wirtschaftsbunds in Wien abgesichert zu haben.
Ausgelöst wurde die Debatte durch den Präsidenten des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands Wien, Marko Fischer. Er forderte am Dienstag als erster Vertreter der SPÖ offen Rucks Abgang. Der Vorstoß sorgte auch parteiintern für Unruhe: Fischer wurde danach nach Angaben aus dem Umfeld von SPÖ-Chef und Bürgermeister Michael Ludwig zu einem Gespräch geladen. Ludwig zählt zu den letzten politischen Rückendeckungen für Ruck.
Im Zentrum der Vorwürfe stehen die sogenannten Einheitslisten. Dabei treten Wirtschaftsbund und Sozialdemokratischer Wirtschaftsverband in mehreren Fachgruppen gemeinsam an. Diese Listen verschaffen den beiden Fraktionen in den jeweiligen Gremien regelmäßig eine Mehrheit und drängen FPÖ, Grüne und Neos auf kleinere Rollen. Bei der Wirtschaftskammerwahl 2025 entfielen auf diese schwarz-roten Einheitslisten 18,2 Prozent der Stimmen.
Nach den nun vorliegenden Vorwürfen soll es bei der Zuteilung der Mandate im Anschluss an die Wahl zu einer unsauberen Berechnung gekommen sein. Diese nachträgliche Verteilung hätte dem Wirtschaftsbund offenbar geholfen, aus einem zunächst anderen Ergebnis doch noch eine Mehrheit zu machen. Konkret steht damit nicht nur die politische Fairness des Vorgangs, sondern auch die Frage im Raum, ob das Wahlergebnis korrekt abgebildet wurde.
Die Kritik trifft Ruck in einer Phase, in der die Wirtschaftskammer ohnehin unter politischem Druck steht. Während der SPÖ-nahe Wirtschaftsverband nun öffentlich Distanz zu ihm markiert, hält Wien weiter an ihm fest. Der Konflikt zeigt, wie angespannt das Kräfteverhältnis in der Kammer ist – und wie heikel die Machtbalance zwischen den Fraktionen geworden ist.









