Extrig.at

Die unabhängige Onlinezeitung für Österreich

Selenskyj besetzt Armeechef-Posten neu und setzt auf Befriedung nach Protesten

Redaktionelle Szene zum Thema „Selenskyj besetzt Armeechef-Posten neu und setzt auf Befriedung nach Protesten“

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskyj hat nach heftiger Kritik an einer Personalrochade in der Führung der Streitkräfte einen neuen Oberbefehlshaber ernannt und zugleich dem bisher geschassten Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow eine neue Rolle in Aussicht gestellt. Mit dem Schritt reagiert Selenskyj auf Proteste im Land und auf den Vorwurf, die Entlassung zentraler Militärfiguren könne ein Bild der Spaltung und Schwäche erzeugen.

Selenskyj sprach am Dienstagabend in einer Fernsehansprache von einem gemeinsamen Ziel: dem Sieg über Russland und einer Lage an der Front, die Moskau zum Frieden zwinge. Die Umbesetzungen gelten damit auch als politisches Signal nach innen – und als Versuch, die Debatte um die Militärführung zu beruhigen.

Fedorow war bisher eine der prägenden Figuren in Kiews Verteidigungsapparat. Er galt als wichtiger Architekt des ukrainischen Drohnenkriegs und als treibende Kraft hinter dem Bemühen, die von Russland besetzte Krim stärker zu isolieren. Nach den Angaben aus der ukrainischen Hauptstadt hatten in den vergangenen Tagen Tausende Menschen gegen seine Entlassung demonstriert.

Als neuer Oberbefehlshaber der Armee gilt nun ein Vertrauter Fedorows. Selenskyj beugt sich damit offenbar nicht nur dem öffentlichen Druck, sondern vermeidet auch den Eindruck, die Regierung entferne ausgerechnet jene Kräfte, die in der Abwehr des russischen Angriffs als besonders wirksam gelten. In Kiew wird der Schritt als Versöhnungssignal gelesen.

Der entlassene Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj war erst im Februar 2024 eingesetzt worden. Er steht für einen stärker konventionellen militärischen Ansatz mit Panzer- und Artillerieeinsatz und gilt als Verfechter eines starreren Systems. Der erneute Wechsel an der Spitze der Armee zeigt, wie sensibel die personelle Balance in der ukrainischen Kriegsführung geworden ist.

Offene Fragen zur Wirkung an der Front

Ob die neue Besetzung das zentrale Problem der Ukraine lösen kann, bleibt vorerst unklar. Im Hintergrund steht weiter die Belastung der Streitkräfte durch hohe Verluste und den anhaltenden Druck der russischen Offensive. Die Hoffnung in Kiew ist offenbar, dass eine geschlossenere Führung nicht nur innenpolitisch beruhigt, sondern auch an der Front für mehr Stabilität sorgt.

Diesen Artikel teilen