Der frühere Wiener ÖVP-Chef Bernhard Görg hält es für unwahrscheinlich, dass Wiener Wirtschaftskammerpräsident Walter Ruck die aktuelle Affäre politisch unbeschadet übersteht. In der „ZiB 2“ sagte Görg am Dienstagabend, er glaube nicht, dass Ruck „die aktuellen Rücktrittsaufforderungen politisch überstehen“ werde. Zugleich schloss er sich diesen Forderungen nicht an.
Auslöser der Debatte sind Gesprächsprotokolle, die Vorwürfe von Postenschacher, Sexismus und abwertenden Kommentaren gegenüber Industrievertretern enthalten. Die Unterlagen, über die seit Freitag diskutiert wird, setzen Ruck als Präsidenten der Wirtschaftskammer Wien unter Druck. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) verlangte bereits Konsequenzen. Auch WKO-Präsidentin Martha Schultz sagte, sie gehe davon aus, dass Ruck „die richtigen Schritte setzen wird“.
Rückendeckung bekam Ruck am Dienstag hingegen von Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Görg ordnete diese Unterstützung im Fernsehen als Ausdruck von „Zweckfreundschaften“ zwischen Wiener SPÖ und Wirtschaftskammern ein. Beide Seiten profitierten von solchen Beziehungen, etwa durch gemeinsame öffentliche Auftritte und Fototermine, sagte er.
Der frühere ÖVP-Politiker betonte außerdem, Kammerpräsidenten seien „immer Unterstützer des jeweiligen Bürgermeisters gewesen“ – daran unterscheide sich Ruck nicht von seinen Vorgängern. Zugleich machte Görg deutlich, dass er nicht auf Menschen „am Boden“ treten wolle. Er trete daher niemandem mit Rücktrittsforderungen nach.
Die Causa belastet Ruck seit Tagen politisch wie auch innerparteilich. In der ÖVP ist damit auch die Frage offen, wie lange die bisherige Unterstützung für den Wiener Wirtschaftskammerpräsidenten noch hält, nachdem nun neben parteiinternem Druck auch deutliche Kritik aus der Bundespartei und aus der Kammer selbst gekommen ist.









