Die auf 48 Teams vergrößerte Fußball-Weltmeisterschaft liefert vor allem eines: mehr Spiele. Ein spielerischer Fortschritt ist nach den ersten Partien nicht automatisch zu erkennen. Zwar blieben die befürchteten Kantersiege bislang weitgehend aus, die Gruppenphase brachte mit 2,99 Toren pro Spiel aber auch keinen klaren Beweis dafür, dass die XXL-WM den Fußball qualitativ hebt.
Zur Einordnung hilft ein Blick auf die Zahlen und auf die überraschenden Geschichten des Turniers. Mit Kap Verde und Curaçao sind zwei Debütanten dabei, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Curaçao, das kleinste Land, das je bei einer Fußball-WM vertreten war, ging gegen Deutschland 1:7 unter. Kap Verde, mit rund 155.000 Einwohnern eines der kleinsten WM-Länder überhaupt, holte dagegen ein 0:0 gegen Spanien und zwang später auch Argentinien in die Verlängerung. Solche Ergebnisse stützen zwar das Narrativ von der geöffneten Bühne für Außenseiter, sie sagen aber wenig darüber aus, ob das Niveau des Turniers insgesamt steigt.
Gerade um die Aufstockung von 32 auf 48 Mannschaften war vor der WM heftig gestritten worden. Kritiker warnten vor einem Ausverkauf des Turniers und vor mehr schwachen Spielen. Nach den ersten 24 Partien lag die Tordifferenz laut den bislang vorliegenden Daten bei 35 Treffern – exakt so viele wie 2022 in Katar nach derselben Zahl an Spielen. Das deutet eher auf Stabilität als auf einen qualitativen Sprung hin. Zugleich sind 104 Spiele angesetzt, die Turnierdauer dehnt sich aus, und ein Viertelfinale beginnt erst nach vier Wochen.
Dass Außenseiter mehr Chancen bekommen, ist der sportpolitische Kern der Reform. Die FIFA wollte mit der Erweiterung zusätzliche Nationen ins Turnier holen und den weltweiten Fußball breiter abbilden. Auf dem Platz zeigt sich bisher aber vor allem, dass kleine Fußballnationen oft von Strukturen profitieren, die längst international geprägt sind. Die Kapverder etwa sind vielerorts in Portugal und Frankreich ausgebildet worden. Der Erfolg solcher Teams ist damit auch ein Produkt des europäischen Ausbildungsmarkts.
Die frühe Bilanz der WM fällt deshalb zwiespältig aus: mehr Vielfalt, mehr Geschichten, mehr Mannschaften – aber nicht zwingend besserer Fußball. Genau dieser Eindruck dürfte die Reform weiter begleiten, je länger das Turnier dauert.









