In zwei Regionen der Adria sind Delfine nach einer neuen Studie inzwischen stark auf Fisch-Trawler als Nahrungsquelle angewiesen. Die Tiere finden dort offenbar immer weniger natürliche Beute und nutzen stattdessen das, was beim Schleppnetzfischen an den Fanggeräten und in deren Umgebung verfügbar wird.
Die Untersuchung dokumentiert damit erstmals in dieser Deutlichkeit, wie eng das Nahrungsverhalten von Delfinen in Teilen der Adria bereits mit der kommerziellen Fischerei verknüpft ist. Betroffen sind nach den Ergebnissen zwei untersuchte Gebiete in der nördlichen und mittleren Adria, in denen Schleppnetzfischerei zu den wichtigsten Fangmethoden zählt.
Natürliche Beute wird knapper
Schleppnetze durchsuchen große Meeresflächen und holen nicht nur Zielarten an Bord, sondern auch Kleinfische und andere Organismen aus dem Lebensraum der Meeressäuger. Für Delfine kann das kurzfristig ein leichter Zugang zu Nahrung sein. Langfristig deutet die Entwicklung aber auf ein ökologisches Problem hin: Wenn die Tiere immer häufiger auf Trawler ausweichen müssen, spricht das für einen Rückgang der verfügbaren Beutefische.
Die Adria gilt seit Jahren als intensiv genutztes Meeresgebiet. Neben Fischerei setzen auch Schifffahrt, Küstenverkehr und steigender Nutzungsdruck den Lebensräumen zu. Für Delfine, die auf ausreichend Fischvorkommen angewiesen sind, wirkt sich das besonders aus. Der Befund fügt sich in ein bekanntes Muster ein: In stark befischten Gebieten verändern Meeressäuger ihr Such- und Jagdverhalten, weil ihre eigentliche Nahrung seltener wird.
Folgen für Meeresschutz und Fischerei
Für den Meeresschutz ist die Studie brisant, weil sie nicht nur einen einzelnen Vorfall beschreibt, sondern eine strukturelle Veränderung. Wenn Delfine regelmäßig von Fischereifahrzeugen profitieren, kann das ihre natürliche Jagdstrategie verändern und die Abhängigkeit von menschlicher Aktivität erhöhen. Zugleich verschärft sich der Konflikt zwischen Artenschutz und kommerzieller Nutzung des Meeres, weil Delfine auch mit Fischern um dieselben Ressourcen konkurrieren.
Die Ergebnisse dürften in der Debatte über strengere Schutzmaßnahmen in der Adria neues Gewicht bekommen. Dazu zählen etwa eine wirksamere Kontrolle von Fangmethoden, Schonzeiten und die Frage, wie stark bestimmte Fischbestände bereits unter Druck stehen. Für die Tiere ist die Lage ein Warnsignal: Wo die Delfine Trawler als Nahrungsquelle nutzen, ist ihre natürliche Grundlage bereits deutlich geschwächt.









