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Tschernowitz, Familie, Erinnerung: Neue Bücher zwischen Geschichte und Gegenwart

Redaktionelle Szene zum Thema „Tschernowitz, Familie, Erinnerung: Neue Bücher zwischen Geschichte und Gegenwart“

Jordan Mechners Erinnerungsbuch Replay. Erinnerungen einer entwurzelten Familie führt in die Geschichte von Tschernowitz, der heutigen ukrainischen Stadt Czernowitz, die einst als „Klein-Wien“ galt und in ihrer wechselvollen Vergangenheit zu verschiedenen Staaten gehörte. Der Band erscheint beim Vermes Verlag in Tulln, kostet 30 Euro und umfasst 320 Seiten.

Im Zentrum steht die Geschichte der Familie Mechner, deren Wurzeln in jene Stadt zurückreichen, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert ein wichtiger jüdischer Kulturraum war. Der Auszug zeichnet nach, wie sich das Leben der Familie an der Jahrhundertwende entfaltet und damit zugleich ein Stück mitteleuropäische Geschichte sichtbar wird. Tschernowitz lag nicht nur am Rand mehrerer Reiche, sondern war auch ein Ort, an dem sich Sprachen, Religionen und politische Zugehörigkeiten überlagerten.

Dass die Stadt bis zu 40 Prozent jüdische Bevölkerung hatte, verweist auf die besondere Rolle, die Tschernowitz für jüdisches Leben in der Bukowina spielte. Die mehrfachen Herrschaftswechsel – vom Fürstentum Moldau über die Donaumonarchie und Rumänien bis zur Sowjetunion – bilden den historischen Rahmen, in dem Mechners Familiengeschichte verortet ist. Gerade in der Gegenwart, in der die Ukraine erneut unter massivem Druck steht, bekommt ein solches Buch zusätzliche Aktualität als literarischer Zugang zu Herkunft, Vertreibung und Erinnerung.

Die wöchentlichen Buchtipps zeigen damit erneut die Spannweite des aktuellen Verlagsangebots – von Graphic Novel und Krimi bis zu Lyrik, Kinderbuch und Bildband. Im Mittelpunkt steht diesmal aber ein Titel, der persönliche Biografie mit einem historisch aufgeladenen Ort verbindet und damit weit über eine private Familienerzählung hinausweist.

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