Bei den Wiener Festwochen erzählt das Stück „Dora“ von zwei jungen Aktivistinnen in Serbien, die nach dem Einsturz eines Bahnhofsvordachs in Novi Sad gegen die Regierung von Aleksandar Vučić protestieren. Der Abend verbindet politische Erfahrung mit privaten Szenen, Gesprächen beim Kochen und der Frage, wie sich Widerstand in einem Klima von Druck und Verfolgung organisiert.
Ausgangspunkt ist der Einsturz des Vordachs am Bahnhof der nordserbischen Stadt Novi Sad im November 2024. Danach formierten sich Studierendenproteste gegen die Regierung und gegen die politischen Verantwortlichen für die Katastrophe. Eine der beiden Figuren des Stücks ist Dora, deren voller Name aus Sicherheitsgründen im Bühnenkontext nicht genannt wird. Es handelt sich um Doroteja Antić, die inzwischen im Exil in Kroatien lebt.
Antić wurde im März 2025 von der serbischen Staatsanwaltschaft angeklagt. Laut den im Umfeld des Stücks geschilderten Angaben steht sie im Zusammenhang mit ihrer Rolle bei den Protesten und mit einem Mitschnitt einer Protestversammlung. Der Vorwurf lautete demnach auf den Versuch, die Regierung zu stürzen. Damit wird der Theaterabend nicht nur zu einer Rekonstruktion politischer Ereignisse, sondern auch zu einer Erzählung über die Folgen von Repression für junge Aktivistinnen.
„Dora“ arbeitet mit einer doppelten Perspektive: Die Szenen folgen einmal Dora, einmal Andreja. Auf der Bühne steht unter anderem die Schauspielerin Natalija Stepanović, die eine der beiden Hauptrollen übernimmt. Das Stück will nach den vorliegenden Angaben authentisch aus dem Alltag und den Gesprächen der beiden Frauen erzählen – ohne die politische Zuspitzung zu glätten. Gerade die Verknüpfung von Kochen, Freundschaft und Revolution gibt dem Abend eine ungewöhnliche Form: Das Private wird nicht als Gegenwelt zum Protest gezeigt, sondern als Teil seines Alltags.
Dass das Stück bei den Wiener Festwochen zu sehen ist, verweist auch auf die aktuelle politische Dimension des Theaters. Die Festwochen bringen mit „Dora“ einen Stoff auf die Bühne, der aus einem konkreten serbischen Protestzusammenhang stammt und zugleich Fragen nach Zivilcourage, staatlichem Druck und der Rolle junger Menschen in politischen Umbruchsituationen aufwirft. Der Abend legt den Fokus damit auf eine Realität, die in Serbien weiter nachwirkt und für die Betroffenen persönliche Konsequenzen hatte.









