Extrig.at

Die unabhängige Onlinezeitung für Österreich

Isländisches Familiendrama „The Love that Remains“: Liebe, Trennung und Groteske

Redaktionelle Szene zum Thema „Isländisches Familiendrama „The Love that Remains“: Liebe, Trennung und Groteske“

Mit The Love that Remains legt der isländische Regisseur Hlynur Pálmason ein Familiendrama vor, das Trennung, Nähe und Verletzlichkeit mit lakonischem Humor und eindrucksvollen Bildern verbindet. Im Zentrum steht Anna, gespielt von Saga Garðarsdóttir: eine Künstlerin und Mutter, die sich gerade von ihrem Mann getrennt hat und ihren Platz neu suchen muss.

Pálmason erzählt diese Geschichte nicht als geradliniges Beziehungsdrama, sondern als fein austariertes Spiel zwischen Alltagsbeobachtung, Naturschönheit und Groteske. Genau darin liegt die besondere Handschrift des isländischen Filmemachers, der familiäre Spannungen immer wieder über scheinbar kleine Gesten, Blicke und Verschiebungen im Miteinander sichtbar macht.

Der Film kreist um die Frage, wie viel von einer Beziehung nach dem Bruch bleibt. Im Fall von Anna ist es nicht nur die Erinnerung an gemeinsame Jahre, sondern auch ein Rest an Liebe – oder vielleicht Hass, wie es im Film anklingt. Pálmason nutzt diese Unschärfe, um die emotionalen Reibungen innerhalb einer Familie offen zu legen, ohne sie psychologisch auszubuchstabieren.

Dass The Love that Remains zugleich anrührend und absurd wirkt, ist dabei Teil des Konzepts. Der Film setzt auf Kontraste: auf Zärtlichkeit und Schmerz, auf Schönheit und Verstörung, auf die Weite der isländischen Landschaft und die Enge familiärer Verhältnisse. So entsteht ein Werk, das weniger von großen Wendungen lebt als von seiner genauen Beobachtung des Zwischenmenschlichen.

Für Pálmason ist das auch eine Fortsetzung eines Zugangs, der sein Kino prägt: Er interessiert sich für die feinen Dynamiken zwischen Familienmitgliedern und für jene Momente, in denen sich emotionale Distanz und Nähe gleichzeitig zeigen. The Love that Remains knüpft daran an und verdichtet diese Beobachtungen zu einem Film, der zugleich leicht und schwer, komisch und melancholisch erscheint.

Diesen Artikel teilen