Im Wiener Jedmayer-Grätzel hat sich die Drogenszene nach Einführung der neuen Schutzzone verlagert. Seit einem Monat gelten dort zusätzliche Regeln, auch am Westbahnhof ist ein striktes Alkoholverbot in Kraft. Vor Ort zeigt sich nun: Die Maßnahmen haben die Szene nicht aufgelöst, sondern offenbar an andere Stellen gedrängt.
Die Schutzzone wurde im Umfeld des Drogenkonsumraums Jedmayer eingeführt, um Anrainer und Passanten zu entlasten. Im betroffenen Bereich rund um den Westbahnhof und die angrenzenden Straßen soll der öffentliche Raum damit wieder besser nutzbar werden. Die Entwicklung der vergangenen Wochen deutet jedoch darauf hin, dass sich die Probleme nicht verschwunden sind, sondern räumlich verschoben haben.
Für die Menschen im Grätzel bedeutet das weiter Unsicherheit im Alltag. Wo sich zuvor Konsumierende und Dealer besonders sichtbar im Umfeld des Jedmayer aufhielten, treten nun andere Ecken stärker in den Vordergrund. Die neue Schutzzone und das Alkoholverbot am Westbahnhof sind damit ein Eingriff in die Szene, der kurzfristig für Ordnung sorgen soll, dessen Wirkung aber erst auf längere Sicht beurteilt werden kann.
Das Umfeld des Westbahnhofs zählt seit Jahren zu den sensiblen Orten der Stadt, weil dort öffentlicher Verkehr, Pendlerströme und soziale Brennpunkte aufeinandertreffen. Gerade deshalb sind Maßnahmen wie Schutzzonen politisch heikel: Sie sollen Sicherheit erhöhen, können aber auch dazu führen, dass sich die Probleme in benachbarte Straßenzüge verlagern. Genau dieser Effekt scheint sich nun erneut abzuzeichnen.
Ob die Regeln im Jedmayer-Grätzel dauerhaft für Entlastung sorgen, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen. Klar ist derzeit nur: Die Szene ist nicht verschwunden, sondern hat ihren Schwerpunkt verändert.









