Jean-Luc Mélenchon will mit 75 Jahren noch einmal in den Élysée-Palast. Der Gründer der linken Bewegung La France insoumise bereitet seine vierte Präsidentschaftskandidatur vor und stellt sich zugleich demonstrativ an die Seite jener Menschen, die in Frankreich gegen die Regierung auf die Straße gehen. Damit versucht Mélenchon erneut, sich als politische Stimme des Protests zu positionieren.
Der frühere Minister und langjährige Linkspolitiker ist seit Jahren eine prägende Figur der französischen Opposition. Seine Anhänger sehen in ihm den schärfsten Gegner des politischen Establishments, seine Kritiker einen polarisierenden Strategen, der sich gerne als Verkörperung eines anderen Frankreichs inszeniert. Mit seinem neuerlichen Anlauf setzt Mélenchon auf eine bekannte Formel: soziale Unzufriedenheit, öffentliche Empörung und den Anspruch, der linken Lagerbildung eine Führungsfigur zu geben.
Die Ausgangslage ist für ihn dennoch schwieriger geworden. In Frankreich ist das linke Spektrum zersplittert, während Mélenchon selbst längst nicht mehr die breiten Mehrheiten erreicht, die für einen Sieg in einer Präsidentschaftswahl nötig wären. Seine erneute Kandidatur ist daher nicht nur ein persönliches Comeback-Projekt, sondern auch ein Test dafür, ob der 75-Jährige seine Rolle als Sammelpunkt der Unzufriedenen noch einmal neu behaupten kann.
Bemerkenswert ist dabei vor allem der Zeitpunkt. Während in Frankreich Proteste gegen die politische Führung an Gewicht gewinnen, sucht Mélenchon die Nähe zu den Demonstrierenden und knüpft damit an seine alte Strategie an, soziale Bewegungen politisch zu binden. Ob ihm das im Rennen um die Präsidentschaft tatsächlich wieder Auftrieb verschafft, ist offen. Klar ist nur: Mélenchon bleibt einer der auffälligsten und umstrittensten Akteure der französischen Politik.









