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Innsbruck benennt Hermann-Gmeiner-Straße in Josefine-Sölder-Straße um

Redaktionelle Szene zum Thema „Innsbruck benennt Hermann-Gmeiner-Straße in Josefine-Sölder-Straße um“

In Innsbruck ist die frühere Hermann-Gmeiner-Straße im Stadtteil Amras offiziell in Josefine-Sölder-Straße umbenannt worden. Die Stadt reagiert damit auf die Missbrauchsfälle rund um SOS-Kinderdorf-Gründer Hermann Gmeiner und setzt zugleich ein Zeichen für eine stärkere Sichtbarkeit von Frauen im öffentlichen Raum.

Der Innsbrucker Gemeinderat hatte die Umbenennung bereits im April einstimmig beschlossen, die Kommunistische Partei enthielt sich. Mit der neuen Bezeichnung erinnert die Landeshauptstadt nun an Josefine Sölder, die sich als Lehrerin und Pädagogin engagierte und in den 1920er Jahren zu den ersten weiblichen Abgeordneten im Tiroler Landtag zählte. Sie vertrat dort die Christlich-Soziale Partei, den Vorläufer der ÖVP.

Zeichen der Erinnerungskultur

Die Stadt begründet die Entscheidung mit einer verantwortungsbewussten Erinnerungskultur. Josefine Sölder habe sich jahrzehntelang für Bildung, Frauenrechte und gesellschaftliches Engagement eingesetzt, hieß es. Eine Zusatztafel soll über die Umbenennung und den früheren Straßennamen informieren.

Vizebürgermeisterin Elisabeth Mayr (SPÖ), zuständig für Frauenfragen, sprach von einer bewussten Benennung nach einer verdienten Frau. Sölder sei eine mutige Frau gewesen, die sich zeitlebens für Verbesserungen im Bildungsbereich eingesetzt habe. Auch Vizebürgermeister Georg Willi (Die Grünen), zuständig für Erinnerungskultur, verwies auf Sölders Lebensweg, der von Neuanfängen geprägt gewesen sei.

Die Vorsitzende des Kulturausschusses, Karoline Obitzhofer (JA – Jetzt Innsbruck), bezeichnete die Änderung als Schritt hin zu mehr geschlechtlicher Gerechtigkeit im öffentlichen Raum. Das Ungleichgewicht bleibt in Innsbruck dennoch deutlich: Von 307 Straßen, die nach Personen benannt sind, tragen nur 23 Frauennamen. 284 erinnern an Männer. Der Großteil der Straßen und Brücken ist allerdings nach Fluren, Pflanzen oder Tieren benannt.

Folgen der SOS-Kinderdorf-Affäre

Die Umbenennung steht im Zusammenhang mit den Missbrauchsvorwürfen gegen den verstorbenen SOS-Kinderdorf-Gründer. Nach Angaben einer Reformkommission gibt es in diesem Zusammenhang 16 Verdachtsfälle von sexuellem oder schwerem sexuellem Missbrauch. Acht Betroffene seien bereits entschädigt worden, fünf weitere Personen hätten einen Antrag gestellt.

Auch andere Stellen haben auf die belasteten Ehrungen reagiert. Der Tiroler Landtag nahm zuletzt Auszeichnungen für Gmeiner und weitere Persönlichkeiten von SOS Kinderdorf zurück. Gmeiner hatte unter anderem den „Ring des Landes“ erhalten, die höchste Auszeichnung des Landes Tirol. In Imst wurden ebenfalls Denkmäler entfernt und Straßennamen geändert.

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