In Kärnten haben heuer so viele Menschen wie noch nie erstmals Hilfe bei der Schuldnerberatung gesucht. Mit 580 Neuklientinnen und -klienten wurde ein Rekordwert verzeichnet, wie die Einrichtung am Dienstag bekanntgab. Als Hauptgründe nennen Betroffene vor allem Teuerung, Einkommensverluste und persönliche Krisen.
Schuldnerberater Andreas Pregl sprach von einem Alarmsignal, verwies aber zugleich darauf, dass die Angebote inzwischen niederschwelliger geworden seien. Vorträge, Workshops, Abendberatungen in Klagenfurt und Villach sowie Einsätze in den Gemeinden und Bezirkshauptmannschaften sollen den Zugang erleichtern. Auch die verstärkte öffentliche Präsenz trage dazu bei, dass sich mehr Menschen früher melden, sagte Pregl.
Gleichzeitig zeigt sich bei den geordneten Entschuldungsverfahren ein anderes Bild: Die Zahl der Schuldenregulierungsverfahren ist laut der Beratung leicht rückläufig. Als Hürde nennt Pregl die Kosten eines Privatkonkurses, die zwischen 540 und 600 Euro liegen. Für manche Betroffene sei das trotz laufender Überschuldung schwer zu stemmen. Auch die Bedienung der Quotenzahlungen bereite vielen Probleme.
Nach Angaben der Schuldnerberatung ist Arbeitslosigkeit weiterhin der häufigste Auslöser für Zahlungsunfähigkeit. Immer wieder geraten aber auch Menschen kurz vor der Pension oder während der Karenz in finanzielle Schwierigkeiten, wenn Einkommen wegfällt oder geringer ausfällt. Betroffen seien zudem Selbstständige und Personen, die den Überblick über laufende Fixkosten verloren hätten.
Die Beratungsstelle setzt deshalb verstärkt auf Budgetberatung. Dabei wird zunächst die aktuelle finanzielle Situation analysiert, danach werden Ausgaben und mögliche Kostentreiber mit dem Einkommen abgeglichen. Auf dieser Basis wird ein individueller Finanzplan erstellt, der den Betroffenen wieder Handlungsspielraum geben soll.
Frühe Finanzbildung als Prävention
Ein Schwerpunkt liegt inzwischen auch auf Kindern und Jugendlichen. In Kärnten wird seit 2023 ein gestuftes Konzept zur Finanzbildung umgesetzt, das mit dem sogenannten Taschengeldführerschein in Kindergärten beginnt und über Volks- und Mittelschulen bis zum Gymnasium reicht. Für ältere Zielgruppen gibt es außerdem einen Finanzpass für Pensionistinnen und Pensionisten.
Pregl plädiert dafür, Kindern den Umgang mit Geld möglichst früh praktisch zu vermitteln. Gerade das Bezahlen mit Bargeld könne helfen, den Wert von Geld besser zu begreifen. Prävention und Beratung müssten zusammenspielen, damit finanzielle Probleme nicht erst dann sichtbar werden, wenn sie bereits zu Schulden, Exekutionen und sozialem Rückzug geführt haben.









