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Warum einige Profis ihre Stutzen aufschneiden

Redaktionelle Szene zum Thema „Warum einige Profis ihre Stutzen aufschneiden“

Bei dieser WM laufen mehrere Fußballer mit zerschnittenen Stutzen auf: Jude Bellingham, Norwegens Julian Ryerson und zuvor schon Spieler wie Giorgio Chiellini, Neymar oder Kyle Walker. Das Loch an der Wade ist längst kein Randphänomen mehr, sondern ein sichtbares Ritual im Spitzenfußball.

Die Begründung klingt zunächst plausibel: Die Wade schwillt im Spiel an, der Strumpf sitze zu eng, drücke und könne die Durchblutung stören, heißt es aus dem Umfeld der Spieler. Manche Profis verweisen auch auf Krampfprobleme oder auf ein subjektiv besseres Tragegefühl, nachdem sie den Stoff hinten aufgeschnitten haben.

Aus sportmedizinischer Sicht ist diese Erklärung allerdings wenig überzeugend. Bei müden oder belasteten Waden gilt Kompression eigentlich als sinnvoller Ansatz, nicht der Verzicht darauf. Dass ausgerechnet ein Loch im Stutzen die Leistungsfähigkeit verbessert, lässt sich medizinisch nicht belegen.

Als Vorreiter dieser Praxis gilt Giorgio Chiellini, der seine Strümpfe schon 2007 an den Waden einschnitt. Bei der WM 2018 machte Neymar es ihm nach, später folgten weitere internationale Topspieler. In England wurde das Loch in den Stutzen spätestens mit Kyle Walker zum Massenphänomen.

Die Verbreitung hat auch eine psychologische Seite. Im Profifußball werden Routinen, Aberglaube und persönliche Rituale oft zu einem festen Teil des Wettkampfs. Was für Außenstehende wie ein eigenwilliger Spleen wirkt, gehört für die Spieler mitunter zur Vorbereitung auf ein Spiel.

Dass ausgerechnet bei einem Sport mit hochgerüsteter Ausrüstung am Ende ein eingeschnittener Stutzen zum bevorzugten Detail wird, zeigt vor allem eines: Nicht jede Gewohnheit im Spitzenfußball folgt der Medizin. Manche folgen schlicht dem Gefühl, vielleicht auch dem Glauben, dass es mit genau diesem kleinen Eingriff besser läuft.

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