Während Gastgeber Mexiko in der Nacht auf Mittwoch im Aztekenstadion gegen Ecuador um den Aufstieg ins Sechzehntelfinale spielt, rückt in einem Vorort von Mexiko-Stadt auch ein österreichisches Sozialprojekt in den Blick. Die frühere Lehrerin Leopoldine Ganser hat dort ein Fußballprojekt aufgebaut, das Kindern und Jugendlichen über den Sport Zugang zu Bildung und Gemeinschaft geben soll.
Der Anlass dafür ist die besondere Fußballstimmung im Land. Nach drei Siegen und ohne Gegentor ist die mexikanische Nationalmannschaft souverän in die K.-o.-Phase eingezogen. Das ändert im Alltag vieler Menschen mehr als nur den Spielplan: Schulen bleiben an Spieltagen der Selección geschlossen, Public Viewings füllen Plätze und Kinos, und im ganzen Land dominiert das Trikot in Grün.
Fußball als sozialer Raum
Ganser beschreibt Fußball in Mexiko als nationale Leidenschaft, die weit über den Sport hinausreiche. Gerade in einem Land, in dem große Spiele oft das öffentliche Leben prägen, nutzt ihr Projekt diese Strahlkraft, um Kinder und Jugendliche zu erreichen, die sonst kaum Anschluss an organisierte Freizeitangebote hätten. Das Vorhaben ist mit einem Don-Bosco-Umfeld verknüpft, also mit einem Netzwerk, das sich international auf Jugend- und Bildungsarbeit konzentriert.
Die Österreicherin ist seit Jahrzehnten mit Mexiko verbunden. Ihren Zugang zum Fußball hatte sie bereits in ihrer Heimat im Weinviertel, wo es nach ihren Worten kaum andere Freizeitmöglichkeiten gab als den Platz. Später arbeitete sie ab 1996 mit einem niederösterreichischen Priester zusammen und baute in Mexiko jene Strukturen mit auf, die heute als viel beachtetes Fußballprojekt gelten.
Ein Land im WM-Modus
Der Bezug zur laufenden Weltmeisterschaft ist kein Zufall. Wenn Mexiko im Aztekenstadion spielt, wird die Fußballbegeisterung im Land besonders sichtbar. Das Stadion gilt als einer der symbolträchtigsten Orte des mexikanischen Fußballs; die Nationalmannschaft ist dort bei WM-Spielen traditionell schwer zu schlagen. Für Projekte wie jenes von Ganser bedeutet diese Stimmung Rückenwind, weil Fußball in Mexiko als gemeinsamer Nenner funktioniert.
Im Zentrum steht dabei nicht nur der Sport selbst, sondern auch die soziale Wirkung. Fußball schafft Treffpunkte, Disziplin und Verlässlichkeit – und in einem Projektumfeld wie dem von Ganser vor allem einen Zugang zu Jugendlichen, die über das Spiel in einen geregelten Alltag eingebunden werden können. Dass eine Österreicherin diesen Weg in Mexiko mitgeprägt hat, verleiht der Geschichte eine besondere Note.









