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Egon Blum fordert mehr Förderung für Lehrbetriebe

Redaktionelle Szene zum Thema „Egon Blum fordert mehr Förderung für Lehrbetriebe“

Der frühere Lehrlingsbeauftragte der Bundesregierung, Egon Blum, hat die Debatte über sinkende Lehrlingszahlen in Vorarlberg zurückgewiesen und eine stärkere Förderung der Betriebe verlangt. Nicht die Pflichtschulen seien das Problem, sondern vor allem fehlende Anreize für Unternehmen, Lehrstellen anzubieten, sagte Blum im ORF-Interview. Er warnt zugleich vor einem künftigen Fachkräftemangel.

Ausgangspunkt der Diskussion ist eine Studie der Wirtschaftskammer Vorarlberg (WKV), die einen deutlichen Rückgang in der dualen Ausbildung zeigt. Vor 20 Jahren entschied sich noch mehr als die Hälfte der Pflichtschulabgänger im „Lehrlingsland“ Vorarlberg für eine Berufslaufbahn als Lehrling. Heute sind es laut den präsentierten Zahlen nur noch 40 Prozent.

WKV-Präsident Karlheinz Kopf machte dafür unter anderem mangelnde schulische Grundfertigkeiten verantwortlich. Immer mehr Jugendliche könnten nicht mehr als Lehrlinge ausgebildet werden, weil sie nicht ausreichend rechnen oder sinnerfassend lesen könnten, kritisierte er. Auch die weiterführenden Schulen warf er vor, mit aggressiven Werbeaktionen ihre Klassen zu füllen.

Blum widersprach dieser Darstellung deutlich. Er sieht hinter den Aussagen auch eine strategische Komponente mit Blick auf die im Herbst erwartete Entwicklung am Lehrlingsmarkt. Tatsächlich würden immer weniger kleine Betriebe Lehrlinge ausbilden, und auch größere Ausbildungsbetriebe stellten teils weniger Lehrlinge ein, sagte er. Viele Unternehmen investierten zwar viel Zeit und Geld in die Ausbildung, kämen aber an ihre Grenzen.

Die Wirtschaftskammer verweist ihrerseits darauf, dass die Betriebe bereits erhebliche Mittel aufwenden. Eine Lehrlingsausbildung koste rund 40.000 Euro pro Betrieb, sagte die Leiterin der Bildungspolitik in der WKV, Gudrun Petz-Bechter. Kleinere Unternehmen könnten sich das ohne Unterstützung zunehmend schwerer leisten. Aus ihrer Sicht seien deshalb staatliche Förderungen entscheidend. Zugleich beklagte sie, dass beim Doppelbudget geplante Unterstützungen nicht durchgesetzt werden konnten.

Blum fordert nun ein Modell, nach dem pro Betrieb maximal fünf Lehrlinge pro Jahr gefördert werden sollen. Damit würden nach seiner Einschätzung fast alle Klein- und Mittelbetriebe abgedeckt, auch Großbetriebe könnten in begrenztem Ausmaß profitieren. Ziel müsse sein, die Kosten so abzufedern, dass Ausbildung nicht zum Verlustgeschäft werde.

Der ehemalige Lehrlingsbeauftragte warnt vor den Folgen eines weiter sinkenden Angebots an Lehrstellen. Jugendliche, die keinen Einstieg in Ausbildung und Arbeitsprozess finden, könnten sozial und gesellschaftlich abrutschen, sagte er. Langfristig sei das auch für den Staat teuer. Außerdem drohe dem Standort Vorarlberg mittelfristig zusätzlicher Fachkräftemangel, wenn die Wirtschaft wieder anzieht und Betriebe qualifiziertes Personal suchen.

Als einen Weg aus der Krise nennt der Autor der WKV-Studie, Thomas Mayr vom Institut für Bildungsforschung, auch die stärkere Ansprache von Erwachsenen. Gemeint seien etwa Maturanten oder Menschen mit Berufserfahrung in Hilfsarbeit, die über gezielte Unterstützung und Ergänzungskurse zu einem Lehrabschluss kommen könnten. Damit ließe sich der Kreis jener vergrößern, die eine Lehre absolvieren.

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